Saisonvorbereitung und Ausblick auf die Saison – Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm im Interview

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Saisonvorbereitung und Ausblick auf die Saison – Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm im Interview

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm freut sich auf die neue Saison / Foto: ©Andrea Müller

Am Samstag startet mit der Begegnung beim Thüringer HC für die Flames der HSG Bensheim/Auerbach die neue Saison 2021/2022 in der Handball Bundesliga Frauen (HBF). Seit Anfang Juli bereitet Coach Heike Ahlgrimm die Flames intensiv auf die fünfte Saison im Oberhaus vor. Wie bereits in den letzten Jahren führte Flames-Mitarbeiterin Andrea Müller eine Woche vor Saisonbeginn ein ausführliches Interview mit Heike Ahlgrimm über die Vorbereitung und die bevorstehende Saison.

Heike, die lange Vorbereitung befindet sich auf der Zielstrecke. Freut Ihr Euch auf den Spielbetrieb oder doch noch lieber etwas Vorbereitung?

Heike Ahlgrimm: Im Endeffekt ist beides unterschiedlich. Ich glaube, dass die Vorbereitung diesmal sehr schnell verging. Das ist zumindest so mein Gefühl. Aber wir sehnen uns natürlich alle danach, dass es endlich losgeht, weil wir uns messen und präsent sein wollen. Von daher schon Spielbetrieb. Die Vorbereitung ist für alle immer sehr anstrengend, weil wir immer sehr viele Spiele haben, sehr volle Wochenenden, eine Woche Trainingslager etc. und deshalb ist de Wunsch nach Normalität da. Es freut sich jeder auf das erste Spiel und dass die Saison endlich losgeht.

Wie ist die Vorbereitung bisher gelaufen?

Heike Ahlgrimm: Ich glaube, wir können zufrieden sein. Wir hatten richtig gute Spiele. Natürlich hatten wir auch mal eins bis zwei kleine Ausreißer. Aber wir haben uns insgesamt gut präsentiert in der Vorbereitung. Wir sind vorangekommen und sind auf einem guten Weg. Natürlich haben wir noch viel Arbeit vor uns, aber ich bin mit der Vorbereitung zufrieden. Die Mädels haben super mitgezogen. Die Stimmung ist gut und wir haben eine gute Mischung im Team. Es hat echt Spaß gemacht. Auch die Trainingseinheiten waren auf einem sehr hohen Niveau. Ich bin guter Dinge, dass das eine gute Saison werden kann.

Mit Simone Spur Petersen, Julia Niewiadomska (beide nach Halle) sowie Torfrau Jessica Kockler (Karriereende) haben drei Spielerinnen den Verein verlassen. Für diese Saison gibt es mit Myrthe Schoenaker (vorher Blomberg), Saskia Fackel (Ketsch), Vanessa Fehr (Leverkusen), Neele Mara Orth und Jana Haas (beide eigene Jugend) fünf Neuzugänge. Wie ist Dein erster Eindruck von den Neuzugängen sowie der gesamten Mannschaft?

Heike Ahlgrimm: Wir sind Mega-Team. Es wurden alle direkt integriert und passen gut in die Mannschaft. Alle fünf sind menschlich richtig gute Charaktere und natürlich auch komplett unterschiedliche Charaktere, die uns aber alle weiterbringen. Der Vorteil ist dieses Jahr, dass im Endeffekt die zwei Jungen (Neele Mara Orth und Jana Haas) schon länger bei uns waren und wir sie jetzt nur hochgezogen haben. Daher kennen sie schon unsere Abläufe und unsere Spielzüge. Wir müssen also nur zwei neue Spielerinnen integrieren mit Rückraum links und Rückraum rechts, die Torhüter lasse ich mal außen vor. Da sind wir schon relativ weit, weiter als in den letzten Jahren. Aber das ist trotzdem noch ein Prozess. Von daher brauchen wir jedes Training, wir brauchen jedes Spiel und wir werden uns weiterentwickeln. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber ich bin glücklich, dass die fünf zu uns gekommen sind und uns bereichern. An allen werden wir viel Freude haben.

Kannst du uns kurz was zu den einzelnen Neuzugängen sagen? Was erwartest Du von ihnen?

Heike Ahlgrimm: Fangen wir mal mit den zwei Ergänzungsspielerinnen an. Wir haben Jana, die jetzt durch die Verletzungen von Lotta Heider und Sarah Dekker ein bisschen ins kalte Wasser geworfen wurde. Natürlich zahlt man da erstmal Lehrgeld, das ist normal. Sie hat aber eine ordentliche Vorbereitung gemacht und man darf nicht vergessen, dass sie erst siebzehn ist. Ich bin hier positiv überrascht. Wir sind auf einem guten Weg und auch wenn irLotta und Dekki wiederkommen wird sie weiterhin ihre Chance kriegen. Sie wird uns, aber auch die Junior Flames und die A-Jugend-Bundesliga bereichern.

Neele ist schon sehr lange bei uns und hat in der Vorbereitung sehr überrascht. Sie ist einfach jemand, die mutig ist, die Lust hat und die auch mit mal vorne weggeht und dahin geht, wo es wehtut. Sie kann richtig gut 5-1 spielen. Da haben wir jemanden, dem wir das Vertrauen schenken können und der es zurückgibt.

Dann haben wir unsere drei Etablierten, die alle drei noch Zeit brauchen, um in die Mannschaft rein zu kommen. Aber ich glaube, dass Myrthe mit ihrer Erfahrung uns auf Rückraum links nach vorne bringen kann und sie mit Ines einen guten Part hat und entlasten kann. Sie kann auch mal einfache Tore machen. Das ist aber trotzdem noch ein Prozess, weil sie letztes Jahr ein schwieriges Jahr hatte.

Vanessa ist einfach ein Mega-Typ, die mit Helen ein tolles Torhütergespann bildet. Hier haben wir zwei ganz unterschiedliche Torhüter, die auch unterschiedlich halten und unterschiedliche Charaktere sind. Aber das passt richtig gut. Jeder hat so seine eigenen Stärken und das ergänzt sich super.

Saskia ist als Linkshänderin auf Rückraum rechts. Endlich haben wir in dieser Saison mal viele Linkshänder. Sie war, genau wie Vanessa, sehr lange bei ihrem vorherigen Verein und hat den Schritt gewagt, nochmal zu wechseln. Natürlich braucht sie noch Zeit, um sich an die neue Atmosphäre und das andere Training zu gewöhnen. Aber, wie gesagt, die Mädels sind alle integriert und ich glaube, dass alle für uns wichtig werden und wichtig sind und dass wir mit allen viel Freude haben werden.

Wie ist denn der aktuelle Stand bei den drei Langzeitverletzten Alicia Soffel, Lotta Heider und Sarah Dekker? Wann rechnest Du frühestens mit einem Comeback?

Heike Ahlgrimm: Das ist bei allen drei ganz unterschiedlich. Alicia hat jetzt am 10. September ihren zweiten OP-Termin und wird dann die ganze Saison ausfallen. Das dauert so lange, weil eine Kreuzband-OP einen langwierigen Reha-Prozess nach sich zieht. Von daher werden wir sie weiter unterstützen und werden hinter ihr stehen, aber sie fällt mir natürlich die ganze Saison aus.

Bei Sarah Dekker sieht es richtig gut aus. Da sind wir jetzt in der Muskelaufbau-Phase. Dekki denke ich, wird noch im September wieder anfangen in die Halle zu gehen und dann muss man abwarten, wie sich das entwickelt und wann sie wieder spielen kann.

Lotta ist auch voll im Soll. Der Heilungsverlauf ist super. Sie laufen alle viel und sind sehr fleißig. Ein großer Dank geht hier an unseren Partner ThereSport, die da eine sensationelle Arbeit leisten und die uns die Mädels immer wieder fit machen. Im Moment gehe ich davon aus, dass Lotta im Dezember wieder spielt und Dekki im Oktober.

Aktuell sieht das richtig gut aus, der Heilungsverlauf ist Klasse und sie arbeiten bei ThereSport gut. Wir können da wirklich froh sein, dass wir bei ThereSport so gute Möglichkeiten haben und ich bin guter Hoffnung, dass sie alle drei wieder fit zu uns stoßen werden.

Vor allem auf die eigene Jugend habt ihr auch dieses Jahr wieder bei der Zusammenstellung des Kaders geachtet. So haben Jana Haas und Neele Mara Orth einen Vertrag für die erste Mannschaft bekommen. Welche Chancen, Perspektiven siehst Du für die Youngster in der neuen Saison? Wie wichtig ist Dir die Jugendarbeit im Verein generell?

Heike Ahlgrimm: Nummer eins ist, dass beide Spielerinnen wichtig für die Junior Flames sind und Jana außerdem noch A-Jugend-Bundesliga spielt. Mit den Junior Flames haben wir auch Ziele und ich bin froh, dass wir die Spielerinnen halten konnten und dass wir da weiter mit den Spielerinnen arbeiten können. Trotzdem werden sie auch bei uns trainieren und sich dadurch auch weiterentwickeln, wenn sie bei uns dabei sind und die Chance bekommen. Nummer eins ist aber die Jugend und die Junior Flames, wenn die Saison dort wieder anfängt. Das geht vor, aber wir werden sie weiter unterstützen und werden beide weiter aufbauen und mit jedem Training und jedem Spiel bei uns weiterentwickeln. Die Jugendarbeit ist wichtig. Wir haben einige kleine Baustellen die letzte Zeit gehabt, da muss man auch ehrlich sein. Ich bin froh, dass wir das jetzt langsam geregelt haben.

Reden wir über den Liga-Auftakt. Für die Flames geht es am ersten Spieltag zum Thüringer HC und eine Woche später ist das erste Heimspiel gegen die Sport-Union Neckarsulm. Beide Mannschaften standen in der letzten Saison in der Tabelle vor den Flames und wollen auch diese Saison einen internationalen Startplatz erreichen. Wie stehen die Chancen gegen diese beiden Teams?

 Heike Ahlgrimm: Wir sind gegen beide Teams nicht chancenlos. Aber beide sind Favorit, der THC hat 11 neue Spielerinnen und ist der TOP-Favorit. Ich freue mich aber darauf, dass wir sie am Anfang haben, weil sie vielleicht noch nicht so eingespielt sind. Wir werden alles in die Waagschale werfen und es geht immer was, genauso gegen Neckarsulm. Das ist ein Spiel auf Augenhöhe dieses Jahr und das ist unser erstes Heimspiel, wo man natürlich immer weiß, das hat viel was mit Kribbeln zu tun. Wieder mit eigenen Fans und vielleicht mal wieder ein bisschen eine vollere Halle.Von daher freue ich mich drauf. Wir werden sie ärgern und natürlich erhoffen wir uns da so das eine oder andere Pünktchen.

Gut eine Woche vor dem Saisonstart, welchen Eindruck macht das Team auf Dich? Welche Schwerpunkte wirst Du in dieser Woche noch verfeinern und festigen wollen?

Heike Ahlgrimm: Diese Woche werden wenige Schwerpunkte sein. Die letzte Woche vor der Runde werden wir nochmal sehr konzentriert arbeiten und wir werden uns natürlich auch auf unseren Angriff und die Abwehr konzentrieren. Wir werden uns mit eine Videoanalyse auf den Gegner vorbereiten, schauen was sie machen und was wir dagegen tun können. Da werden jetzt keine Wunder mehr passieren. Wir hoffen, dass wir alle weiter gesund und fit bleiben.

Die Flames haben letzte Woche erstmals den Dentsply Sirona Cup ausgerichtet. Neben dem Zweitligisten Waiblingen waren mit Blomberg, Leverkusen, Metzingen und Neckarsulm vier Mannschaften dabei, die in der Tabelle vor den Flames standen und alle Teams konnten nochmal auf hohem Niveau testen. Wie lautet Dein Fazit zu dem Cup und welche Erkenntnisse konntest Du gewinnen?

 Heike Ahlgrimm: Wir sind stolz, dass wir das Turnier gemacht haben. Das war ein Megaturnier und alle Mannschaften wollen wiederkommen. Es war super organisiert und wir wollen das Turnier in den nächsten Jahren hier in Bensheim etablieren. Es war für viele Bundesligisten gegen Ende der Vorbereitung die letzte Möglichkeit auf hohem Niveau gegen Ligakonkurrenten zu testen. Beim Turnier hat man gemerkt, dass in dieser Saison jeder jeden schlagen kann und dass wir mithalten können. Dieses Jahr kann es in der Tabelle nach oben oder nach unten gehen. Ich glaube zwischen Platz 5 und 11 ist alles möglich.

 Was können wir in der kommenden Spielzeit von den Flames erwarten und was ist das Saisonziel?

Heike Ahlgrimm: Saisonziel ist immer ein einstelliger Tabellenplatz. Das muss einfach unser Ziel sein. Man will sich logischerweise immer gegenüber dem Vorjahr verbessern. Auf eine genaue Platzierung lege ich mich jetzt hier nicht fest. Dies erfolgt bei uns nur intern und nicht nach außen. Ein einstelliger Tabellenplatz und eine Verbesserung zur letzten Saison – das ist wichtig. In meinen Augen wird es eine sehr spannende Saison, weil wir alle dichter zusammen gerutscht sind – außer den Mannschaften ganz oben. Ich bin ehrlich, es geht dieses Jahr für mich kein Weg an Bietigheim vorbei. Die werden für mich Deutscher Meister mit zu null Punkten. Ich hänge mich da jetzt zwar wieder aus dem Fenster, aber ich habe dies im letzten Jahr bei Dortmund gesagt und ich sage es dieses Jahr bei Bietigheim. Andere sagen zwar, dass es nicht nochmal jemand zu Null macht, aber bei dieser Bietigheimer Mannschaft sehe ich das anders. Das muss der Anspruch dieser Mannschaft sein und sie können sich nur selbst schlagen. Danach kommen für mich Dortmund, Thüringen und Blomberg. Das sind meine ersten vier und danach kann jeder jeden schlagen. Wir haben einen starken Aufsteiger und wir haben auch nicht mehr, so wie letztes Jahr, Mannschaften, wo man fast sicher die Punkte bekommt. Das sind Punkte, die einem fehlen werden und von daher entscheidet in jedem Spiel die Tagesform. Du musst in jedem Spiel deine Leistung abrufen, um zu gewinnen. Das macht es dieses Jahr Megaspannend und deswegen freue ich mich darauf. Aber es muss jeder im Kopf haben, dass es in beide Richtungen gehen kann. Es wird eine schwere Saison, aber wir werden eine geile Saison spielen. Davon bin ich überzeugt.

Beim Dentsply Sirona Cup waren erstmals seit 10 Monaten wieder Zuschauer zugelassen. An beiden Tagen waren es insgesamt gut 500 Zuschauer. Wie war es endlich mal wieder vor Zuschauern zu spielen? Wie wichtig ist es, dass zum Heimspiel am 11.09.2021 gegen die Sport-Union Neckarsulm wieder Zuschauer in der Halle sein dürfen?

Heike Ahlgrimm: Wir freuen uns einfach, dass wir wieder vor Zuschauern spielen dürfen und ich glaube, die Zuschauer freuen sich, dass sie endlich wieder in die Halle kommen können. Ich hoffe, dass diese Saison wieder ein bisschen Normalität einkehrt und wir es schaffen die Weststadthalle zu füllen – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln und der ganzen Auflagen. Es wäre schön, wenn zu unserem ersten Heimspiel so viele kommen, wie möglich und wir wieder eine tolle Stimmung haben und wieder Feste feiern können. Wir brauchen die Fans, wir brauchen jeden einzelnen, denn wir brauchen diese Lautstärke in der Halle und die Unterstützung. Deswegen freu ich mich drauf und hoffe, dass es so bleibt, dass Zuschauer kommen dürfen.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg für die neue Saison.