Julia Maidhof schnuppert mit der U20-Nationalmannschaft WM-Luft in Leipzig

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Julia Maidhof schnuppert mit der U20-Nationalmannschaft WM-Luft in Leipzig

Julia Maidhof im Pokalspiel gegen ihren Zweitverein Mainz / Bildrechte: ©Andrea Müller - HSG Bensheim/Auerbach Flames

Über mangelnde Beschäftigung kann sich Julia Maidhof in diesen Wochen sicher nicht beklagen. Die 19jährige Rückraumspielerin der Flames der HSG Bensheim/Auerbach hat derzeit einen vollen Terminkalender. Letzte Woche sind die Flames unter Trainerin Heike Ahlgrimm in die 2. Vorbereitung gestartet und haben ein Trainingswochenende in Bensheim hinter sich. Am Samstag spielte Julia Maidhof, die mit einem Zweitspielrecht für den Zweitligisten FSG Mainz 05/Budenheim ausgestattet ist, mit den Meenzer Dynamites in Herrenberg, am Sonntagabend ging es nach dem Training mit den Flames wieder zur Bundeswehr nach Warendorf, wo Julia in der Sportfördergruppe ist. Ab heute (bis 05.12.2017) ist sie zusammen mit ihrer Teamkollegin Vildana Halilovic beim Lehrgang der U20-Nationalmannschaft in Leipzig. Gut gelaunt stand sie dazwischen noch Flames-Mitarbeiterin Andrea Müller für ein Interview über Job, Verein und Nationalmannschaft bereit.

Wenn man Deinen Terminkalender betrachtet, könnte man sagen, Du lebst im Moment sozusagen aus der Sporttasche, oder?

Julia Maidhof (lacht): Gut, die nächste Zeit ist es wirklich viel. Die Lehrgänge beginnen jetzt wieder. Dies ist der Erste nach der Europameisterschaft. Dann haben wir mit der Vorbereitung für den Rest der Saison begonnen. Aber wir hatten ja 10 Tage frei und ich habe die freie Woche genossen, um etwas abzuschalten. Von daher habe ich jetzt wieder richtig Lust durchzustarten. Die nächsten Wochen wird es ein wenig stressig, aber ich freue mich schon richtig drauf alle in Leipzig wieder zu sehen.

Du bist seit 2014 bei den Flames und hast einen Vertrag bis 2019.Was gefällt Dir hier besonders gut?

Julia Maidhof: Ich fühle mich hier total wohl. Die Mannschaft kenne ich ja mittlerweile schon seit ein paar Jahren. Dadurch dass ich ja von der Jugend hier hoch gekommen bin, wurde ich  langsam herangeführt. Mir gefällt einfach, dass hier eine sehr familiäre Stimmung ist, aber trotzdem der Leistungsgedanke da ist. Wir haben hier alle das gemeinsame Ziel in der 1. Liga zu bleiben und dafür alles tun. Mit Heike haben wir außerdem eine Trainerin, bei der man merkt, dass sie selbst diese Karriere mitgemacht hat und dass sie sehr erfolgreich war. Ich finde, das merkt man in ihrem Training und in ihrem Verständnis. Ich fühle mich hier einfach wohl – auch was die Umgebung und alles betrifft.

Wie oft trainierst Du in Mainz? Wenn man nicht so oft in Mainz mittrainiert, klappt die Verständigung trotzdem auf dem Spielfeld?

Julia Maidhof: Geplant war es am Anfang dreimal die Woche. Durch die Verletzung von Jo (Josephine Körner) wurde es auf zweimal reduziert. Die Verständigung auf dem Spielfeld klappt ganz gut. Am Anfang waren viele Spielzüge neu für mich. Wenn ich allerdings auf Außen stehe ist es einfacher. Im Rückraum muss ich mir für die taktischen Züge den Gegner nochmal extra anschauen, wenn ich nicht im Training war.

Was ist für Dich der Hauptunterschied zwischen der 1. Und der 2. Liga – Du spielst ja derzeit beides …

Julia Maidhof: In der 1. Liga wird mit viel mehr Härte und wesentlich schneller gespielt, gerade was das Tempo betrifft. In der 1. Liga wirst du für jeden Fehler bestraft. Sobald du einen Ball verwirfst, ist die Nächste schon im Gegenstoß und du kriegst ein Gegentor. Hier ist die 1. Liga in allen Bereichen professioneller. Aber auch in der 2. Liga gibt es dieses Jahr Unterschiede. Die TOP-Teams spielen genauso schnell, aber hier gibt es Unterschiede zu dem Tabellenkeller zu erkennen.

Vom 30.11.-05.12.2017 darf die Weibliche U20 WM-Luft schnuppern und absolviert einen Lehrgang in Leipzig während der Handball-WM der Damen. Am 30. November ist die Mannschaft eines von zwei Demonstrationsteams für die WM-Schiedsrichter, am 2. Dezember spielt die weibliche U20-Nationalmannschaft beim IHF-Trainersymposium in Leipzig vor. Zudem besuchen die Schützlinge von Bohm/Pfänder insgesamt drei Vorrundenspieltage in der Arena Leipzig, darunter auch das WM-Eröffnungsspiel zwischen den Ladies und Kamerun am 1. Dezember. Das ist von daher natürlich ein ganz besonderer Lehrgang.

Siehst Du das genauso? Freust du dich auf diesen Lehrgang besonders?

Julia Maidhof: Gerade durch die WM und dass wir das Auftaktspiel sehen können, ist es was Besonderes. Man sieht eine WM, wo wir später auch mal sein wollen. Gerade die Heim-WM im eigenen Land, da freuen sich alle drauf und wir können das miterleben. Natürlich nur als Zuschauer, aber irgendwie in der Hoffnung, dass wir da auch mal auf der Platte stehen. Und gerade, weil wir uns so lange nicht mehr gesehen haben, freuen wir uns wieder miteinander zu trainieren und die EM noch einmal zu analysieren. Deswegen ist es schon ein besonderer Lehrgang.

Du hast es gerade ja schon selbst erwähnt … Als U20-Nationalspielerin hat man sicherlich den Traum irgendwann auch im Kader der A-Nationalmannschaft zu stehen …

Julia Maidhof: Gerade wo nächstes Jahr ein neuer Trainer kommt hat man nochmal die Chance sich zu zeigen. Er kennt die Spielerinnen noch gar nicht. Natürlich ist es der Traum irgendwann einmal in der A-Nationalmsnnchaft zu stehen, aber das muss nicht in den nächsten 2 Jahren sein. Ich denke, da wird man ganz langsam herangeführt. Aber das Wichtigste ist, sich im Verein zu etablieren und da die Spielanteile zu bekommen und dann irgendwann durch die Leistung zur A-Nationalmannschaft zu kommen.

Wie findest Du es, dass die WM im eigenen Land stattfindet? Bekommt man davon auch in den Vereinen was mit?

Julia Maidhof: Also, ich finde es sehr gut, dass sie im eigenen Land stattfindet, weil so für den Frauenhandball auch mal Werbung gemacht wird. Allerdings finde ich das noch viel zu wenig. Wenn man jetzt irgendjemand x-beliebigen auf der Straße fragt, was jetzt für eine WM in Deutschland ist, würde es wahrscheinlich niemand wissen, dass es Frauenhandball ist. Klar gibt es da noch viel mehr Möglichkeiten, was die Werbung und alles betrifft. Aber es freut mich schon mal, dass sie wenigstens im freien Fernsehen übertragen wird. Im Verein bekommt man es mit, wenn z.B. die Freddy (Anmerkung: Merel Freriks – niederländische U20 Nationalspielerin und  im erweiterten A-Kader der Niederlande) beim Lehrgang ist oder darüber spricht. Im Verein bekommt man natürlich schon vieles mit – aber was die Zuschauer betrifft, ist es leider noch viel zu wenig.

Welche Chancen siehst du für die Ladies bei der bevorstehenden Heim-WM?

Julia Maidhof: Ich finde es sehr schwierig. Ich denke, sie haben schon gute Chancen. Der Heimvorteil pusht natürlich nochmal mehr mit den Zuschauern und die Ergebnisse der letzten Monate waren ganz positiv. Deswegen sollen sie von Spiel zu Spiel schauen und nicht schon im vor hinein sagen, dass sie nach Hamburg wollen. Da muss man Step by Step gehen, um da weiter zu kommen.

Die weibliche U20-Nationalmannschaft tritt in der WM-Qualifikation in einer machbaren Gruppe an. Das Team von Marielle Bohm und Jens Pfänder trifft auf die Mannschaften aus Mazedonien, Island und Litauen. Die Qualifikationsturniere finden vom 23. bis zum 25. März 2018 statt, in der deutschen Gruppe hat Island das Austragungsrecht zugelost bekommen.  Nur der 1. kommt in eurer Gruppe weiter. Kannst du schon was zu euren Chancen für die Qualifikation sagen?

Julia Maidhof: Ich bin überzeugt, dass unsere Chancen, wenn wir die Leistung zeigen, gut stehen. Allerdings kenne ich im Moment auch noch niemanden von den anderen Mannschaften. Sicher ist es unser Ziel bei der WM teilzunehmen, denn es ist unsere letzte WM mit der Mannschaft, die wir im Nachwuchsbereich haben und da wollen wir natürlich dabei sein. Deswegen glaube ich auch, dass wir das schaffen.

Du bist in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Deren Ziel ist es, den Athletinnen und Athleten optimale Rahmenbedingungen für ihre leistungssportliche und berufliche Laufbahn zu bieten. Seit wann machst Du das? Wie oft bist Du dort und wie muss sich ein Außenstehender, wie ich, so einen Tag oder eine Woche von Dir dort vorstellen?

Julia Maidhof: Ich habe dort letztes Jahr im September meine Grundausbildung gemacht. Das war die rein militärische Ausbildung mit Schießübungen etc. und seitdem treffen wir uns alle 2 Monate in Warendorf (ich fahre heute Abend auch noch dorthin).  Da treffen sich alle, die in der Sportfördergruppe vom Handball sind. Da sind wir so um die 10 Leute und trainieren da relativ individuell mit einem Trainer. Wir machen da viel Wurftraining  und individuelles Training. Das ist halt optimal. Wenn ich dort bin, kann ich morgens die Athletik trainieren und mich abends auf das Mannschaftstraining konzentrieren. Da bietet die Bundeswehr für mich im Moment eine optimale Unterstützung an. Daher bin ich sehr froh, dass ich da rein gekommen bin.

Nochmal zurück zu den Flames … 0:12 Punkte in der Bundesliga und damit der vorletzte Tabellenplatz entsprechen nicht unbedingt den gezeigten Leistungen der Flames in den Spielen, wo durchaus der eine oder andere Punkt möglich gewesen wär. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf und mit deiner eigenen Leistung?

Julia Maidhof: Was die Punkte betrifft, sind wir alle nicht zufrieden. Aber wie du eben schon gesagt hast, es hätten paar Punkte mehr sein müssen … Aber darüber lohnt es sich nicht mehr zu reden, was wir hätten holen können, da das vorbei ist. Wir haben diese Woche mit der 2. Vorbereitung einen Strich gezogen und versuchen jetzt ab Dezember die Punkte zu holen. Die Saison ist noch extrem lang, da kann man jetzt noch nichts sagen und wir werden die Punkte auf jeden Fall holen. Ich glaube, wenn  die ersten 2 Punkte mal da sind, fällt auch eine Last von uns ab. Es hat mich sehr gefreut, dass ich soviele Spielanteile bisher bekommen habe, damit hatte ich am Anfang garnicht gerechnet. Meine Einstellung war eigentlich in der Vorbereitung alles zu geben und zu schauen, ob ich der Mannschaft helfen kann. Da freut es mich umso mehr, dass ich die Mannschaft bisher so unterstützen konnte und hoffe natürlich, dass es so bleibt.

Neben dem Handball bei den Flames, Mainz und dem DHB sowie der Sportfördergruppe bei der Bundeswehr bleibt eigentlich nicht mehr viel Zeit für Privatleben, oder? Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?

Julia Maidhof: Wenn ich mal einen freien Tag habe, dann fahre ich natürlich gerne zu meiner Familie bei Aschaffenburg. Da habe ich auch noch meinen ganzen Freundeskreis, die ich dann immer gerne treffe und ansonsten genieße ich es auch mal einen Tag frei zu haben mit nicht soviel Programm.

Weihnachten steht vor der Tür … Was wünschst Du Dir für die Flames und natürlich für dich ganz persönlich?

Julia Maidhof: Für die Flames wünsche ich mir auf jeden Fall die ersten Punkte und den Klassenerhalt fürs kommende Jahr. Für mich ist der Wunsch ebenfalls der Klassenerhalt, verletzungsfrei bleiben und mit beiden Mannschaften erfolgreich Handball spielen.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg für dich und deine Mannschaften.