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Flames zeigen Kampf und Moral nach Fehlstart

Merel Freriks bewacht von Ex-Nationalspielerin Jenny Karolius / Bildrechte: ©Andrea Müller

Die Flames der HSG Bensheim/Auerbach hatten auch gestern in Leverkusen wieder die Chance einen Großen der Liga nicht nur zu ärgern, sondern sich auch mit Punkten zu belohnen, doch bei der fulminanten Aufholjagd wollte der Treffer zum Ausgleich einfach nicht fallen. Am Ende setzten sich die Werkselfen des TSV Bayer 04 Leverkusen in der einzigen Sonntagsbegegnung in der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) mit 28:24 (13:8) gegen die Flames durch. Erfolgreichste Werferin für die Elfen war die Australierin Sally Potocki, die mit ihren 12/7 Toren ihren eigenen persönlichen Bundesligarekord aufstellte sowie Bogna Sobiech, Caroline Thomas und Carolin Schmele mit je 5 Toren für die Flames.

Was aber die Flames auch in diesem Spiel in der 2. Halbzeit wieder auszeichnete war der Kampf bis zum Ende und wenn man nicht einen klassischen Fehlstart in diese Begegnung hingelegt hätte, dann hätte man sich an der ehemaligen Wirkungsstätte von Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm endlich mal belohnen können, doch der hohe Rückstand sollte am Ende eine zu hohe Bürgschaft sein. Außerdem mussten die Flames neben den Langzeitverletzten zusätzlich noch auf die erkrankten Rafika Ettaqi und Anja Ernsberger verzichten, was für Heike Ahlgrimm keine Ausrede für die Niederlage sein soll. „Dies lasse ich nicht als Entschuldigung gelten“, so Heike Ahlgrimm.

Fehlstart führte zu einem 9-Tore-Rückstand nach 25 Minuten

Nach 23 Minuten führten die Werkselfen mit 13:4 gegen die Flames, denen im Angriff so gar nichts gelingen wollte oder sie an der ehemaligen Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk scheiterten und die in der Abwehr öfters einen Schritt zu spät waren. „Ich glaube, ich habe meine Mannschaft noch nie so gesehen, wie die ersten 25 Minuten“, bilanzierte Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm nach dem Spiel.

Fünf Minuten vor der Halbzeitpause beim 13:4-Rückstand rüttelte Heike Ahlgrimm ihr Team wach und fand während einer Auszeit die richtigen Worte. Die zeigten Wirkung  und die Flames konnten den Rückstand bis zum Pausenpfiff von 9 Tore auf 5 Tore zum 8:13 Halbzeitstand verkürzen.

Offensivere Abwehr nach der Pause stellte Elfen vor Probleme

Jenny Karolius und Zivile Jurgutyte erhöhten gleich zu Beginn der 2. Halbzeit für die Elfen auf 15:8 (33.). Heike Ahlgrimm hatte nach der Pause die Deckung der Flames auf eine offensive 3:2:1-Abwehrformation umgestellt – ein guter Schachzug. Die Elfen kamen mit der neuen Deckungsformation nicht zurecht, die Flames kämpften sich zurück ins Spiel und verkürzten Tor um Tor. Jetzt stand die Abwehr und wer doch an der Abwehr vorbei kam scheiterte an Pauline Radke im Flames-Tor.

Beim Anschlusstreffer von Sanne Hoekstra zum 15:14 (42) waren die Flames erstmals bis auf ein Tor dran. In der 45. Minute stand es nach einem Treffer von Carolin Schmele 17:16 – den Flames wollte aber der Ausgleich einfach nicht gelingen. Die Elfen konnten sich in dieser Phase erneut bei Katja Kramarczyk bedanken und durch Anna Seidel und Sally Potocki wieder auf 3 Tore beim 19:16 (46.) erhöhen. Heike Ahlgrimm legte die grüne Karte und die Flames kamen direkt nach dieser Auszeit durch Tore von Bogna Sobiech und Caroline Thomas wieder auf 19:18 ran (47.).

Es blieb spannend. In der 50. Minute führten die Elfen 20:19. Sally Potocki brachte mit ihren beiden Treffern zum 22:19 wieder mit 3 Tore in Front (53.). Beim 24:26 aus Flames-Sicht durch Sarah van Gulik (57.) waren es nur noch 2 Tore. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Flames schon ganz offensiv gedeckt, um noch die Chance auf einen Punktgewinn zu wahren, doch es sollte nicht mehr reichen. Ex-Nationalspielerin Jenny Karolius erzielte in der letzten Spielminute den vorentscheidenden Treffer zum 27:24. Nach einem Ballverlust im Angriff konnte dann Zivile Jurgutyte mit ihrem fünften Treffer den 28:24-Endstand herstellen.

Trotz der Niederlage sollten die Flames das Positive aus dem Spiel mitnehmen und die erste Halbzeit ganz schnell vergessen. Wenn es gelingt die Leistung über 60 Minuten abzurufen und das Glück mal auf die Seite der Flames wechselt, dann sollte es doch bald mal mit der Belohnung klappen.

Am Samstag gibt es bereits die nächste Chance zu punkten. Die Flames erwarten am Samstag, 10.03.2018 um 17.30 Uhr in der Weststadthalle Bensheim den Tabellensiebten FRISCH AUF Göppingen.

Statements der Trainer nach dem Spiel:

Heike Ahlgrimm (HSG Bensheim/Auerbach Flames): Glückwunsch an Leverkusen zum verdienten Sieg. Wir haben es heute leider nur 35 Minuten geschafft Handball zu spielen und 35 Minuten reichen halt nicht, um als Sieger vom Feld zu gehen. Ich glaube, ich habe meine Mannschaft noch nie so gesehen, wie die ersten 25 Minuten. Wir haben alles vermissen lassen, was Handball so ausmacht. Keine Spritzigkeit, keine Schnelligkeit, wir sind nicht da hingegangen, wo es weh tut und auf einmal liegst du halt 13:4 zurück. Unser Glück war, dass wir die letzten 5 Minuten der 1. Halbzeit noch 4 Tore machen und dadurch sind es nur 5. So sind wir noch im Spiel geblieben. In der 2. Halbzeit kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben gekämpft und haben uns viele Chancen erarbeitet. Es war ein Spiel, was immer hin und her geht. Am Ende war Leverkusen natürlich auch ein bisschen cleverer, als wir, weil wir wollen dann schnell das Tor machen und schnell bedeutet dann auch Fehler. Ja, wir stehen glaube ich, jedes Wochenende da und ärgern uns, aber nichtsdestotrotz war der Sieg für Leverkusen verdient, wenn man die 60 Minuten sieht.

Renate Wolf (TSV Bayer 04 Leverkusen Werkselfen): Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten erlebt, das muss man schon mal sagen.. Meine Mannschaft hat in der 1. Halbzeit gut angefangen. Wir haben in der Deckung stabil gestanden und waren auch gut eingestellt auf das, was Bensheim vorne spielt. Die Deckung war stabil und im Gegenzug haben wir vorne clever unseren Angriff aufgezogen. In dem Zeitraum, dass muss man auch ehrlich sagen, lief vieles einfach zu gut. Da haben wir auch Glück gehabt, bei Würfen von uns und bei Würfen von Bensheim, die  das Tor nicht getroffen haben oder den Pfosten getroffen haben, wo man eigentlich sagen muss, der Ball war schon drin. Das war von der Verhältnismäßigkeit schon deutlich, aber ich muss auch sagen, da hat meine Mannschaft bis zur 25. Minute richtig ordentlich und souverän gespielt. Mit den Auswechslungen kam die Unsicherheit. Die Abwehr stand nicht mehr so stabil. Im Angriff haben wir nicht mehr das gespielt, was wir uns als Strategie vorgenommen haben und es kamen dann die 4 Tore von Bensheim. In der 2. Halbzeit hat Heike Ahlgrimm die Abwehr umgestellt. Eine offensive 3-2-1 Abwehr gespielt und dagegen muss man auch erst einmal spielen. Es ist eigentlich einfach und es ist doch nicht einfach. Theoretisch hat man die Lösung. Wichtig ist das man sich bei einer offensiven 3-2-1 Abwehr sehr viel bewegt, immer anspielbar ist, sich sehr viel ohne Ball und dann halt einfach auf die Lücken geht. Das haben wir lange Zeit  nicht gemacht, sind viel zu oft quer gegangen, haben dadurch Fehler produziert und für Bensheim konnte sich die Tore vorne erspielen. Dann entwickelte sich plötzlich der Kampf, den ich ohnehin erwartet habe. Ich habe erwartet, dass sich Bensheim so aufstellt, dass sie kämpfen. Sie brauchen unbedingt die Punkte. Es war dann wirklich ein Spiel auf Augenhöhe. Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, dass wir das Spiel dann doch noch für uns haben entscheiden können.

Statistik:

TSV Bayer 04 Leverkusen Werkselfen: Branka Zec, Katja Kramarczyk, Vanessa Fehr – Zivile Jurgutyte (5), Anna Seidel (1), Kim Braun, Mia Zschoke, Sally Potocki (12/7), Annefleur Bruggemann, Jenny Karolius (4), Marija Gedroit, Kim Berndt (1), Anne Jochin, Amelie Berger (5), Anouk van de Wiel.

HSG Bensheim/Auerbach Flames: Jessica Kockler, Pauline Radke –  Carolin Schmele (5/1), Caroline Thomas (5), Martha Logdanidou, Sanne Hoekstra (4/2), Larissa Platen, Lisa Friedberger, Merel Freriks, Sarah van Gulik (4), Julia Maidhof (1), Bogna Sobiech (5).

Siebenmeter: 7/7  – 5/3 (Schmele und  Hoekstra scheitern an Kramarczyk)

Schiedsrichter: Matthias Klinke, Sebastian Klinke

Zuschauer: 800