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Flames unterliegen erneut knapp gegen Dortmund

Sarah van Gulik setzt sich gegen Anne Müller und Nadja Månsson durch / Bildrechte: ©Andrea Müller - HSG Bensheim/Auerbach Flames

Sie waren wieder nahe dran in der Weststadthalle für eine Überraschung zu sorgen – am Ende standen die Flames der HSG Bensheim/Auerbach jedoch wieder mit leeren Händen da. Nach einem aufopferungsvollen Endspurt verloren sie gegen den TOP-Favoriten aus Dortmund vor knapp 1000 Zuschauern mit 23:25 (10:11). Wie im Hinspiel war es erneut Ex-Nationalspielerin Nadja Månsson, die für ihre BVB Handball Damen in der Schlussminute den entscheidenden Treffer erzielte. Die furiose Aufholjagd der Flames, die sich nach einem zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Rückstand (15:22) wieder herangekämpft hatten, wurde leider nicht belohnt.

Dabei hatte für die Flames alles gut angefangen. Sie konnten das Spiel nicht nur ausgeglichen gestalten, sondern gingen nach dem 7:7 (19. Minute) durch Tore von Carolin Schmele und zweimal Bogna Sobiech mit 10:7 in Führung (22.). Dortmunds Trainerin Ildiko Barna nahm beim 9:7 für die Flames eine Auszeit, um ihre Mannschaft wieder besser auf die Flames einzustellen. Dies zeigte Wirkung. Ihre Mannschaft stand nun kompakter in der Abwehr und zwang die Flames zu Fehlern. Nationalspielerin Alina Grijseels und die Ex-Nationalspielerin Anne Müller brachten die Borussia auf 10:9 (25.) heran.  Clara Woltering blieb anschließend Siegerin im Siebenmeterduell gegen ihre ehemalige Mannschaftskameradin Carolin Schmele. Svenja Huber und Johanna Stockschläder sorgten für die knappe BVB-Führung (10:11) zur Halbzeit.

Schwächephase zum Start der 2. Halbzeit

Wie bereits in Bad Wildungen war der Gegner direkt nach der Pause wacher wie die Flames und diese Schwächephase kostete am Ende dann erneut die Punkte. Die Dortmunder Abwehr stand aggressiver und stellte die Flames im Angriff vor Probleme und kamen dadurch selbst zu einfachen Toren. Bis zur 43. Minute hatten die BVB Handball Damen einen 7-Tore-Vorsprung herausgespielt und führten 22:15.

Angetrieben von den Fans starteten die Flames dann wieder eine beeindruckende Aufholjagd und verkürzten auf 20:22 (52.). Stella Kramer erhielt eine Zeitstrafe, Caroline Müller konnte aber in Unterzahl wieder auf 3 Tore zum 20:23 erhöhen. Julia Maidhof verkürzte auf 21:23 und Flames-Torfrau Pauline Radke hatte nicht nur ihren Kasten bei der Aufholjagd sauber gehalten, sondern erzielte in Überzahl sogar den 22:23 Anschlusstreffer, als sie den vorher gehaltenen Ball direkt ins leere BVB-Tor warf. Nun nahm Ildiko Barna nahm eine Auszeit – Caroline Müller erhöhte auf 24:22 für den BVB und Caro Thomas verkürzte wieder auf 23:24 (55.).

Das Spiel war jetzt an Spannung nicht mehr zu überbieten und die Zuschauer hielt es schon lange nicht mehr auf den Sitzen. Dortmund scheiterte im nächsten Angriff an Pauline Radke, Sanne Hoekstra setzte sich auf der anderen Seite super durch, warf den Ball aber an Clara Woltering vorbei knapp neben das Tor (57.). Jetzt verwarf der BVB den Ball und den Flames bot sich erneut die Chance zum Ausgleich. Nach einem Foul an Caro Thomas forderten alle in der Halle Siebenmeter, doch es gab nur einen Freiwurf. Da zu diesem Zeitpunkt von den beiden Schiedsrichterinnen jedoch schon der Arm wegen Zeitspiel gehoben wurde und 2 Pässe gespielt waren, konnten bis zum Torwurf nur noch maximal 4 Pässe gespielt werden. Genau diese 4 Pässe spielten die Flames und Sarah van Gulik war frei vor dem BVB-Tor, als die Schiedsrichterinnen abpfiffen, weil angeblich 7 Pässe gespielt wurden. So kam es nicht zum möglichen Ausgleich. Stattdessen war der BVB wieder im Ballbesitz und konnte einen letzten Angriff spielen. Wie im Hinspiel übernahm Nadja Månsson die Verantwortung. Sie setzte sich auf der linken Seite durch und erzielte den entscheidenden 25:23 Siegtreffer.

Für die Flames blieb erneut nur die Erkenntnis, dass man erneut einen Großen der Liga geärgert hat und nahe an den Punkten war – doch der Kampf wurde nicht belohnt und die Enttäuschung stand allen ins Gesicht geschrieben.

Doch bei aller Enttäuschung über die erneute Niederlage muss man auch bei diesem Spiel sehen, wer der Gegner war. Die BVB Handball Damen verfügen über einen Kader u.a. mit insgesamt 7 aktuellen und ehemaligen deutschen Nationalspielerinnen, darunter mit Torfrau Clara Woltering einer der weltbesten Torfrauen. Diese Mannschaft hat man am Samstag schon zum zweiten Male in dieser Saison an den Rand einer Niederlage gebracht! Und es kommt auch nicht von ungefähr, dass es beide Male am Ende dann eine Spielerin vom Format einer Nadja Månsson war, die im Dezember noch für Deutschland bei der WM gespielt hat und mit all ihrer Erfahrung die Entscheidung bringt.

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm, die wie Ihre Spielerinnen bitter enttäuscht war, brachte dies auch in der anschließenden Pressekonferenz auf den Punkt. „Wir dürfen nicht vergessen gegen wen wir spielen. Wir spielen gegen Dortmund, die ganz andere Ziele haben, als wir. Die am Ende den 4. Platz haben wollen und wir haben sie an den Rand einer Niederlage gebracht. Klar, wir stehen mit leeren Händen da, aber ich möchte auch nochmal appellieren, dass es bei uns wirklich um den Klassenerhalt geht. Wir dürfen den Blick nicht aus den Augen verlieren. Wir haben schon für Überraschungen gesorgt und ich bin auch davon überzeugt, dass wir das schaffen werden. Wir machen weiter und brauchen nicht gucken, dass wir einen Gegner dominieren, weil wir mit 3 Toren führen. Dortmund haben wir nicht dominiert, sondern wir haben in dieser Phase gut gespielt. Aber das reicht halt nicht im Moment“, so Heike Ahlgrimm.

Saisonziel bleibt der Klassenerhalt

Man muss aber auch nach dieser Niederlage vor allem eins: Ruhe bewahren und nicht den Fehler begehen und das eigentliche Ziel „Klassenerhalt“ vergessen. Sicher lassen die knappen Ergebnisse und Punktgewinne gegen Mannschaften wie Bietigheim und Metzingen von mehr träumen, doch man darf nicht vergessen, von wo man her kommt. Man ist Aufsteiger und es war von Anfang an klar, dass es diese Saison nur um den Klassenerhalt geht und die Entscheidung wahrscheinlich erst am Ende der Saison, vielleicht sogar erst am letzten Spieltag fallen wird. Natürlich ist man verwöhnt von der Aufstiegssaison, doch das war 2. Liga. Realistisch war und ist diese Saison der Klassenerhalt.

In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auch mal einen Blick auf die letzte Saison in der 1. Liga werfen. Letzte Saison waren die Aufsteiger Nellingen und Neckarsulm. Nellingen schaffte den Klassenerhalt sportlich nicht und Neckarsulm sicherte sich mit einem wesentlich höheren Etat den Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag.

Die Leistung, die die Flames in den Spielen bisher gezeigt haben, hätten ihnen wohl die Wenigsten überhaupt zugetraut. Nicht umsonst bekommt Heike Ahlgrimm mit ihrer Mannschaft nach jedem Spiel ein großes Lob vom Gegner. Die Mannschaft musste sich erst an die Schnelligkeit und Härte der Liga gewöhnen und sie ist jetzt in der Liga angekommen. Heike Ahlgrimm hat als Trainerin bisher herausragende Arbeit geleistet und wird mit der Mannschaft alles daran setzen, dass in den verbleibenden Spielen die nötigen Punkte für den Klassenerhalt geholt werden. Wir haben erst den zweiten Spieltag der Rückrunde absolviert – es werden noch genügend Punkte dafür vergeben. Die Flames zeichnet Kontinuität aus und diesen eingeschlagenen Weg werden sie alle gemeinsam weiter gehen. Und dazu gehören alle, ob Trainerstab, Spielerinnen, Team ums Team, Partner, Sponsoren und natürlich die tollen Fans und Zuschauer, die eine unglaubliche Unterstützung sind, die die Mannschaft auch braucht.

Lob auch von Ildiko Barna

Ildiko Barna, die ja selbst von 2006-2008 Trainerin in Bensheim war, lobte ebenfalls die gute Arbeit der Flames. „Heike hat bisher hier sehr gut Arbeit geleistet. Die Mannschaft hat Qualität, aber sie muss disziplinierter mit ihrer Führung umgehen, aber das ist nicht böse gemeint. Sie haben eine super Zukunft mit jungen und erfahrenen Spielerinnen und eine gute junge Trainerin. Ich denke, sie sind auf dem richtigen Weg, dass es professioneller wird. Die Halle ist immer voll, sie haben eine gute Jugendarbeit, das ist optimal. Ich verstehe Heike, dass sie lieber Punkte statt Lob will, denn natürlich ist es nicht einfach gegen den Abstieg zu spielen. Aber sie werden das 100%ig schaffen und sie werden in Zukunft guten Handball hier geboten bekommen“, gibt sich auch Barna optimistisch, was den Klassenerhalt angeht.

Statements der Trainerinnen zum Spiel:

Heike Ahlgrimm (HSG Bensheim/Auerbach Flames): Erstmal Glückwunsch an Dortmund zu den 2 Punkten. Wir sind heute natürlich wahnsinnig enttäuscht, das ist ziemlich bitter. Wir haben leider wieder mal unsere Schwächephase gehabt, wo wir Dortmund davon ziehen haben lassen und wir liegen halt 20:13 zurück. Diese Hypothek ist einfach zu groß. Wir haben immer wieder die Chance gehabt nochmal dran zu kommen, um den Punkt zu holen. Am Ende stehen wir wieder mit leeren Händen da und was sollen wir da jetzt sagen? Wir sind wahnsinnig enttäuscht, aber ich kann ihnen versprechen, dass wir wieder zurückkommen und wir haben nächste Woche wieder die Möglichkeit 2 Punkte zu holen und dafür werden wir wieder alles tun.

Ildiko Barna (BVB Dortmund): Wir wussten, dass es hier in Bensheim keine einfache Aufgabe wird und trotz einer  6-Tore-Führung in der 2. Halbzeit war mir klar, dass Bensheim nicht aufhört zu kämpfen. In dieser Phase haben wir 1-2 Kleinigkeiten erlaubt und dadurch gleich das eine oder andere Tor gekriegt. Da haben wir Bensheim nochmal aufgebaut, aber ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass wir Bensheim in dieser Halle bezwingen. Sie haben gegen Metzingen gewonnen, gegen Bietigheim Unentschieden gespielt. Andere haben es nicht geschafft, aber wir können 2 Punkte mit nach Hause bringen.

Statistik:

HSG Bensheim/Auerbach Flames: Jessica Kockler, Pauline Radke (1) – Anja Ernsberger (2), Carolin Schmele (3/1), Rafika Ettaqi (2), Caroline Thomas (1), Martha Logdanidou, Sanne Hoekstra (2/1), Larissa Platen, Lisa Friedberger (1), Merel Freriks (1), Sarah van Gulik (2), Julia Maidhof (3), Bogna Sobiech (5).

BVB Dortmund: Annamaria Ferenczi, Clara Woltering – Stella Kramer, Alina Grijseels (3), Saskia Weisheitel, Caroline Müller (3), Anne Müller (3), Irene Espínola Perez, Emilia Galinska, Johanna Stockschläder (4), Harma van Kreij (1), Svenja Huber (6/1), Nadja Månsson (5), Mira Emberovics, Virag Vaszari.

Siebenmeter: 3/2 (Schmele scheitert an Woltering) – 1/1

Schiedsrichter: Katharina Heinz, Sonja Lenhardt

Zuschauer: 980