Flames brennen auf den Saisonstart – Trainerin Heike Ahlgrimm im Interview

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Flames brennen auf den Saisonstart – Trainerin Heike Ahlgrimm im Interview

Flames-Coach Heike Ahlgrimm ist zufrieden mit der Vorbereitung und freut sich auf den Saisonstart / Foto: ©Andrea Müller

Am Sonntag starten die Flames der HSG Bensheim/Auerbach beim 1. FSV Mainz 05 in ihre vierte Saison im Oberhaus der Handball Bundesliga Frauen (HBF). Nach acht intensiven Wochen Vorbereitung brennen die Flames förmlich auf den Saisonstart, denn das letzte Punktspiel liegt für das Team von Coach Heike Ahlgrimm bereits ein halbes Jahr zurück. Heike Ahlgrimm geht in ihre fünfte Saison auf der Kommandobrücke bei den Flames. Auch dieses Jahr blickt sie zusammen mit Flames-Mitarbeiterin Andrea Müller zurück auf die Vorbereitung und die bevorstehende Saison.

Heike, im März war das letzte Punktspiel. Am Sonntag beginnt für die Flames mit dem Derby in Mainz die neue Bundesligasaison. Wie groß ist die Vorfreude?

Heike Ahlgrimm: Die Vorfreude ist riesig. Wir warten jetzt schon so ewig lange, dass es losgeht und jetzt geht es endlich am Sonntag los. Deshalb ist  die Vorfreude Mega, dass es endlich um zwei Punkte geht.

Die lange Vorbereitung ist fast vorbei. Seit dem 06.07. bereitet ihr euch auf die neue Spielzeit vor. Inwieweit hatte die Corona-Pandemie Einfluss auf den Trainingsalltag und die Testspiele? Wie ist die Vorbereitung gelaufen?

Heike Ahlgrimm: Wir haben im Endeffekt genauso angefangen, wie in den letzten Jahren auch. Vorher hatten wir halt nur  wahnsinnig viel Zeit, da wir lange nicht trainieren konnten. Zwei Wochen vor dem Start der Vorbereitung haben wir  so langsam ein bisschen angefangen, für die, die noch nicht im Urlaub waren, so dass wir uns langsam ein bisschen gesteigert haben. Es war sozusagen eine Vorbereitung vor der Vorbereitungsphase. Ansonsten war die Vorbereitung ab dem 01.08.2020 fast normal. Vorher konnten wir nicht 6 gegen 6 spielen, aber da sind wir viel gelaufen und haben Training in Kleingruppen gemacht. Ab  dem 01.08. konnten wir dann auch wieder spielen. Der Unterschied zu sonst war, dass wir keine Turniere hatten, aber dafür haben wir mehr Testspiele gemacht. Ich glaube, dass wir trotzdem gut vorbereitet sind und dass wir aus der Situation das Beste gemacht haben und dass uns das daher dann auch wenig beeinflusst hat.

Du musst diesmal mit Leonie Kockel, Lotta Heider und Alicia Soffel nur drei Neuzugänge integrieren. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Integration der neuen Spielerinnen?

Heike Ahlgrimm: Wir haben wirklich drei richtig gute Spielerinnen bekommen. Das sind drei junge talentierte Spielerinnen, die alle richtig Bock haben. Sie passen menschlich Mega in die Mannschaft und es macht total Spaß mit ihnen zu arbeiten. Wir haben die letzten Wochen richtig gut gearbeitet und gute Ergebnisse in der Vorbereitung erzielt. Von daher ist mir nicht bange, dass wir uns das auch gut aufteilen. Es ist immer einfacher, wenn man nur drei integrieren muss und das ging hier relativ fix. Deswegen freue ich mich, dass das alles so gut passt.

Kannst du uns kurz was zu den einzelnen Neuzugängen sagen? Was erwartest du von ihnen?

Heike Ahlgrimm: Fangen wir mal mit der kleinen Lotta an. Sie ist die Jüngste von denen, das Nesthäkchen. Sie hat vom hohen Norden einen riesengroßen Schritt gemacht so ganz weit weg von zu Hause. Sie ist einfach ein feines Mädel, sehr strukturiert und es macht einfach Spaß mit ihr zu arbeiten. Bei einem jungen Mädel gibt es immer Höhen und Tiefen. Es wird immer hoch und runtergehen, aber sie macht ihre Sache richtig gut. Sie will lernen und sie ist sehr lernwillig. Ich glaube, da haben wir auch für die Zukunft jemand richtig gutes auf dieser Position.

Leo hat sich im Dezember schon ganz früh für uns entschieden. Ich bin überrascht, dass sie schon so weit ist und dass sie es ganz schnell geschafft hat, sich zu integrieren. Nachdem sie 2 Jahre fast auf der Bank gesessen hat, hätte ich gedacht, dass sie länger braucht. Aber sie hat in der Vorbereitung bewiesen, dass sie für die Mannschaft wichtig ist. Sie wird keine Julia (Maidhof) sein. Das soll sich auch nicht, sondern sie hat ihren eigenen Stil. Wir werden ihr genug Zeit geben und ich bin mir sicher, dass sie eine sehr wichtige Funktion haben wird.

Alicia ist eine richtig gute Rückraumlinke. Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf auf dieser Position. Wir wissen, was wir an Alicia haben. Ich muss sagen, wir haben Mega Rückraumlinke. Sie ist richtig gut in der Abwehr, was total Spaß macht mit ihr zu arbeiten und ich glaube, dass wir breit und gut aufgestellt sind, um einfach den nächsten Schritt zu machen.

Mit der Bundesligatorschützenkönigin Julia Maidhof, die nach Bietigheim gewechselt ist, haben die Flames ihre treffsicherste Spielerin verloren. Kann die Mannschaft diesen Weggang kompensieren?

Heike Ahlgrimm: Ja. Aus vollem Herzen, ja. Aber wir werden dies definitiv auf mehrere Schultern verteilen.  Ich denke, dass sich unser Spiel daher auch ein wenig verändern wird, auch von der Position, denn wir haben zwei richtig gute Rückraumlinke und alle werden jetzt ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen. Ich glaube, das hat man in den Vorbereitungsspielen auch schon gesehen, dass wir viele Dinge über links machen. Als Team können wir das auf jeden Fall kompensieren.

Auch auf der Trainerbank hat es zur neuen Saison eine Veränderung gegeben. Torwarttrainer Udo Bohneberg hat seine Tätigkeit Ende der letzten Saison beendet. Neuer TW-Trainer ist Jean-Christophe Zimmermann. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit bisher und auch die der beiden Torfrauen mit ihm?

Heike Ahlgrimm: Udo war lange da und hat sich Ende der letzten Saison entschieden, dass er geht. Jetzt haben wir mit Jean einen richtig guten Trainer gefunden, der Lust und Spaß hat, der auch mal neue Dinger macht für die Mädels, was ganz gut ist. Sie sind bisher beide zufrieden mit ihm. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und mir funktioniert super. Von daher können wir uns glücklich schätzen, dass er uns hier unterstützt.

Die Flames wollen weiter professioneller werden. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist auch die Zusammenarbeit mit TheReSport, die bereits jahrelange Erfahrung mit dem Fußballzweitligisten SV Darmstadt 98 haben. Wie ist dein bisheriger Eindruck und was ist anders?

Heike Ahlgrimm: Ich glaube, dass wir uns da Mega professionell aufgestellt haben. Wir haben es wirklich geschafft, sie für uns zu gewinnen. Die Mädels sind total begeistert. Die Zusammenarbeit, auch mit unserem Trainerteam funktioniert richtig gut. Wir haben kurze Wege und eine klare Kommunikation. Die Physios sind dreimal die Woche bei uns im Training da und auch am Wochenende. Ich glaube, dass wir schon lange nicht mehr so eine gute Unterstützung hatten. Das entwickelt sich und da kann man in den nächsten Jahren noch was aufbauen und weiterentwickeln, weil wir ganz viele Ideen haben. Die Vorbereitung haben sie uns super begleitet. Da können wir uns glücklich schätzen und sie haben alle auch richtig Lust darauf. Wir haben mit Didem und Nicki auch zwei Mädels gewinnen können, die richtig Bock haben und das total gerne machen und die wir in unsere Familie schon mit einbezogen haben.

Neben den vielen Trainingseinheiten habt ihr beim KEMPA-Turnier in Waiblingen teilgenommen und auch gegen vier Ligakonkurrenten (Metzingen, Bietigheim, Ketsch und die Vipers) getestet. Gegen Ketsch und die Vipers gab es zwei klare Siege, die Spiele gegen die TOP-Teams Metzingen und Bietigheim wurden nur mit einem Tor verloren. Wie bewertest du diese vier Spiele? Welche Aussagekraft haben sie für die bevorstehende Saison?

Heike Ahlgrimm: Jeder, der mich kennt, weiß, dass Vorbereitungsspiele für mich wenig Bedeutung haben, es ist egal ob Sieg oder Niederlage. Wir haben in allen Spielen verschiedene Dinge ausprobiert und haben uns in allen Spielen entwickelt. Diese Spiele haben wir gebraucht. Wir haben gute Ergebnisse erzielt. Wir haben gegen die Großen knappe Ergebnisse erzielt und das ist gut für das Selbstvertrauen. Aber wie gesagt, das sind für mich Muster ohne Wert, weil es ist wichtig ist, was am Sonntag in Mainz passiert. Die Mannschaft hat eine Entwicklung gemacht, das hat man gesehen und deswegen sind wir froh darüber, aber die Spielergebnisse interessieren mich nicht.

In der letzten Saison war es beim Abbruch ein herausragender 8. Tabellenplatz. Was erwartest du von der neuen Saison? Was ist das Saisonziel?

Heike Ahlgrimm: Wir wollen wieder einen einstelligen Tabellenplatz. Wir waren letztes Jahr Achter. Das ist ein schöner Platz und wir hätten nichts dagegen, wenn wir den wieder machen. Aber wir wissen natürlich auch, wie schwer das wird. Es sind 16 Mannschaften, es gibt dieses Jahr drei Absteiger und ein Relegationsspiel. Von daher wird es ein großes Gerangel um die Plätze geben.

Wie schätzt du die Stärke der Bundesliga 2020/2021 ein? Gibt es durch die Ligavergrößerung und die finanziellen Auswirkungen durch den Coronavirus auf viele Vereine eventuell eine Mehr-Klassen-Gesellschaft? Wer ist dein Meisterschaftsfavorit und wer spielt gegen den Abstieg?

Wir haben definitiv mindestens eine 2-3-Klassen-Gesellschaft, also drei auf jeden Fall. Ganz oben steht Dortmund – für mich am Ende mit zu null Punkten. In meinen Augen verliert Dortmund dieses Jahr kein Spiel, die machen das zu Null, wie damals Kiel. Es ist meine Vermutung, dass sie klar Deutscher Meister werden.

Dann kommt für mich Bietigheim. Das sind die Einzigen, die etwas an sie herankommen werden. Dann gibt es so vom Gefühl her, eine kleine Gruppe mit Thüringen, die ich im Moment noch nicht einschätzen kann, Metzingen, Buxtehude und Leverkusen. Dann kommt die nächste Gruppe mit Blomberg, Göppingen, Bad Wildungen, Oldenburg und uns. Aber man kann immer wieder auch ganz schnell unten sein. Absteiger, da bin ich ehrlich, nenne ich ungern. Dafür gibt es mehrere Kandidaten in meinem Kopf, aber das wäre fatal mit dem Finger auf irgendjemanden zu zeigen.

Wir tun gut daran auf uns zu gucken, unseren Job zu machen und von Spiel zu Spiel zu schauen. Unsere Ziele haben wir definiert und das ist das, was wir uns in den nächsten Wochen erarbeiten wollen. Dazu gehört natürlich ein guter Start und das geht am Wochenende los und wäre schön mit einem Sieg gegen Mainz. Das ist der Anspruch, das ist das Ziel, das wir haben. Danach geht alles etwas leichter.

Sollte es positive Coronafälle während der Saison geben, dann wird es sicher zu einigen Spielverlegungen kommen, die auch die Flames betreffen könnten. Bei den Flames sind ja alle Spielerinnen berufstätig oder studieren, was sich natürlich auf eventuelle Spieltage unter der Woche auswirkt. Befürchtest du, dass es viele Spiele wochentags geben könnte und du evtl. dann nicht alle Spielerinnen an Bord hast?

Heike Ahlgrimm: Klar, wenn man testet, kommen immer mehr positive Fälle und es wird auch, glaube ich, positive Fälle in der Runde geben. Warum soll es bei uns anders sein, wie bei anderen. Wir gehen alle Jobs nach, wie es in fast allen anderen Vereinen auch ist. Wir reden von 16 Vereinen mit je 25-30 Leuten, die getestet werden, da kann auf jeden Fall was passieren. Wenn es passiert, dann wird es Spielverlegungen und dann wird es Quarantäne geben. Inwiefern das dann weitergeht, das müssen wir dann abwarten. Aber wenn es dadurch zu Mittwochspielen kommt, dann gehe ich davon aus, dass das meine Spielerinnen klären können oder wir mit den Arbeitgebern klären. Aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn es dazu komm und ich gehe davon aus, dass wir dann auch alle Mädels bei den Spielen haben.

Wie ist denn der aktuelle Reha-Stand bei Simone Spur Petersen ist nach ihrer schweren Kreuzbandverletzung und wann ist mit einem Comeback zu rechnen?

Heike Ahlgrimm: Simone ist im Aufbau. Sie braucht noch ein wenig, auch von der Kraft her, aber Simone trainiert voll mit. Da müssen wir trotzdem noch geduldig sein, weil sie erst einmal 4-6 Wochen komplett mittrainieren muss, ohne abzubrechen. Wir werden sie weiter unterstützen und hoffen, dass sie dann irgendwann dazu kommt.

Am Sonntag, 06.09.20 startet ihr mit einem Auswärtsspiel, dem Derby in Mainz, in die Saison. Am Samstag erwartet Ihr dann den Aufsteiger Rosengarten. Das Ziel werden sicher vier Punkte sein oder was erwartest du dir von dem Saisonstart?

Heike Ahlgrimm: Natürlich ist das Ziel vier Punkte aus den beiden Spielen. Wir wollen definitiv in Mainz einen guten Auftakt machen und wir wollen auch gegen Rosengarten unser erstes Heimspiel positiv bestreiten. Nichtsdestotrotz werden das keine Selbstläufer. Wir müssen alles in die Waagschale werfen, aber wir haben so viel Selbstvertrauen, dass wir, wenn wir unser Potential abrufen, auch bei beiden Spielen als Sieger vom Platz gehen. Das ist der Anspruch, den wir haben und es ist definitiv das Ziel mit viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein und dem Glauben an die eigene Stärke in die Spiele zu gehen.

Die Corona-Pandemie bestimmt derzeit ja immer noch den Alltag und sehr stark auch den Sport. So findet das Spiel in Mainz ohne Zuschauer statt und auch die Flames dürfen, Stand heute, nur vor 250 Zuschauern spielen: Normalerweise haben die Flames einen Zuschauerschnitt von über 1.200 und stehen in der Zuschauerstatistik mit Metzingen an der Spitze. Was bedeutet das für die Flames sportlich und finanziell?

Heike Ahlgrimm: Finanziell ist es natürlich ein herber Verlust. Aber das haben andere auch. Wir hoffen, dass sich das irgendwann normalisiert und sich das stetig steigert, dass man irgendwann mehr Zuschauer haben kann. Aber wir wissen auch, dass wir ohne die Zuschauer ein Minus von 70% bei den Einnahmen haben. Sportlich ist es natürlich auch ein Verlust, denn wir wurden immer von den Zuschauern getragen. Das war der achte Mann, dies können wir aber im Moment nicht ändern, sondern wir müssen die Situation, so wie alle anderen, annehmen. Ich glaube, jeder ärgert sich darüber genug, so dass wir auch ohne Zuschauer alles in die Waagschale werfen und geile Spiele machen wollen. Wir wollen spielen, wir wollen uns messen und da werden wir auch hier alles dafür tun und hoffen, dass die Leute uns auch vorm Fernseher oder vorm Computer unterstützen und wir für sie gute Spiele machen.

Wie bereitet ihr Euch auf dieses erste, besondere Spiel mit allen Vorschriften, die es zu beachten gibt, vor?

Heike Ahlgrimm: Wir haben das Hygienekonzept erklärt bekommen, wir haben den Corona-Test gemacht und wir werden uns den Rest der Woche sportlich ganz normal darauf vorbereiten und konzentrieren. Das ist wie jedes andere Spiel. Natürlich ist die Aufregung da, das ist aber völlig normal vor dem ersten Spiel. Auch für die Neuen ist es was Besonderes. Jede Mannschaft hat das Corona-Problem und jeder muss es annehmen. Wir müssen alle versuchen positiv zu bleiben, Dinge verändern und anpassen und hoffen, dass wir irgendwann wieder mehr Zuschauer haben werden. Das ist das Ziel und das geht nur Schritt für Schritt. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg für die neue Saison.

Heike Ahlgrimm während einer Auszeit im Testspiel gegen die HSG Bad Wildungen Vipers / Foto: ©Andrea Müller