Flames begeistern mit tollem Pokalfight – Bietigheim zieht ins Viertelfinale ein

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Flames begeistern mit tollem Pokalfight – Bietigheim zieht ins Viertelfinale ein

Trotz 31 Gegentoren boten die Flames (hier Sarah van Gulik und Myrthe Schoenaker mit der ehemaligen Flames-Spielerin Antje Lauenroth) eine starke Abwehrleistung / Foto: ©Andrea Müller

Die nur gut 300 Zuschauer in der Weststadthalle Bensheim hatten ihr Kommen am Ende sicher nicht bereut. Über 60 Minuten sahen sie ein spannendes Achtelfinale im DHB-Pokal, in denen sich am Ende der Titelverteidiger und Top-Favorit SG BBM Bietigheim bei den Flames der HSG Bensheim/Auerbach mit 26:31 (14:15) durchsetzen konnte und verdient ins Viertelfinale einzog. Auch wenn für das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm erneut im Achtelfinale Schluss im Pokalwettbewerb war, so musste ihr Team nicht allzu traurig sein, denn sie boten eine tolle kämpferische Leistung. Erfolgreichste Werferin bei den Flames war Myrthe Schoenaker mit 7 Toren und bei Bietigheim Kelly Dulfer mit 9 Toren. 

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm versprach vor dem Spiel einen großen Kampf ihrer  Mannschaft und ihr Team befolgte es und wurde von Gästetrainer Markus Gaugisch  gelobt.

„Wir wussten, dass das heute eine ganz schwere Aufgabe wird. Heike hat ihr Team, wie so oft, auf den Punkt richtig gut vorbereitet. Sie haben uns in der ersten Halbzeit ganz viele Dinge weggenommen durch aktives Abwehrspiel und gute Ideen im Angriff. Deshalb haben wir uns da auch ein bisschen anstecken lassen. Wir waren nicht so abgeklärt, wie ich es gerne gehabt hätte in der ersten Halbzeit. Das wurde in der zweiten Halbzeit dann besser. Da können wir dann eben auch nachschieben, können den Spielerinnen auch mehr freie Zeiten geben, Erholungszeiten, die sie brauchen und haben dann den Kopf behalten. Ich bin froh und glücklich, dass wir die schwere Aufgabe hier geschafft haben und es war genau das, was ich mir vorgestellt habe“, bilanziert er nach dem Spiel.

Trotz des Ausscheidens war Flames-Coach Heike Ahlgrimm zu Recht stolz und zufrieden über das, was ihr Team auf die Platte gebracht hat, besonders nach der gezeigten Leistung bei der Niederlage gegen Halle-Neustadt. „Das schönste Kompliment für uns ist heute, dass wir wirklich ein gutes Spiel gemacht haben. Ich bin megastolz über das, was wir geleistet haben. Natürlich sind wir rausgeflogen und wären gerne weitergekommen. Wir haben heute eine super Abwehr gespielt, obwohl wir 31 Tore bekommen haben und haben den Gegner immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Sie mussten sich das hart erarbeiten. Aber am Ende des Tages war der Gegner dann doch übermächtig und Markus hat wahnsinnig viele Alternativen auf der Bank, sein Team ist gespickt mit Nationalspielerinnen und kann allen genügend Auszeiten geben“, erklärte sie nach dem Spiel und was dann den Unterschied ausmachte, warum es nicht ganz zu einer Überraschung reichen konnte.

Neben den Langzeitverletzten musste sie auch noch auf Isabell Hurst verzichten, die die ganze Woche krank war und nur für den Notfall mit auf der Bank saß.

Guter Start und knapper Rückstand zur Pause

Die Flames gingen hochkonzentriert und fokussiert ins Spiel und boten den Zuschauern beim 1:0 auch gleich einen Leckerbissen.  Nach gut einer Minute erzielte Myrthe Schoenaker ein schönes Kempator nach Zuspiel von Sarah van Gulik, Dionne Visser erhöhte eine Minute später auf 2:0. Die Flames blieben in Front. Erst nach 9 Minuten gelang Bietigheim durch Kelly Dulfer erstmals der Ausgleich zum 6:6 und der ehemaligen Flames-Spielerin Antje Lauenroth die Führung zum 6:7 (10.). Die Flames glichen zum 7:7 (11.) aus. So ging es bis zum 12:12 weiter. Führung Bietigheim, Ausgleich Bensheim. Dionne Visser und Myrthe Schoenaker sorgten wiederum  für einen Zwei-Tore-Vorsprung zum 14:12 (25.). Ex-Flames Spielerin Kim Naidzinavicius per Siebenmeter und Trine Jensen Østergaard egalisierten wieder auf 14:14 (26.). Heike Ahlgrimm nahm kurz danach ein Team-Timeout, um mit dem guten Unentschieden oder vielleicht sogar einer Führung in die Kabine zu gehen. Einen Treffer gelang jedoch nur noch der hochgewachsenen Kelly Dulfer zur 14:15-Pausenführung für die SG BBM.

Bietigheim setzt sich in Anfang der zweiten Halbzeit etwas ab

Die Flames kamen motiviert aus der Kabine und trafen durch Sarah van Gulik zum 15:15. Innerhalb von sechs Minuten setzte sich der Ligaprimus dann durch zwei Treffer von Antje Lauenroth sowie Karolina Kudlacz-Gloc und Kelly Dulfer auf vier Tore zum 16:20 (37.) ab und Flames-Trainerin bat ihr Team zu einer Auszeit und stellte den Kader auf dem Feld etwas um. Ines Ivancok und Saskia Fackel kamen rein und zwischen den Pfosten löste Helen van Beurden nun Vanessa Fehr ab.

Bietigheim erhöhte noch durch Kim Naidzinavicius per Strafwurf und blieb weiter vorne, konnte sich aber nicht mehr weiter absetzen. Die tapfer kämpfenden Flames holten wieder etwas auf und waren beim 24:26 (53.) durch Saskia Fackel noch in Schlagweite.

Der aufopfernde Kampf zollte aber sein Tribut. Während bei den Flames jetzt die Kräfte schwanden und sich dadurch etwas die Fehler häuften, konnte SG BBM-Cheftrainer Markus Gaugisch munter durchwechseln.

Mit einem 4:0-Lauf setzte sich Bietigheim vorentscheidend zum 24:30 (57.) auf sechs Tore ab. Heike Ahlgrimm unterbrach diesen Fluss und nahm ihre letzte Auszeit, um ihr Team nochmal auf die Schlussphase einzuschwören. Am Ende zeigte die Anzeigentafel ein 26:31, aber es gab keinen Grund für hängende Köpfe. Sie wollten den Favoriten lange ärgern, was über 50 Minuten der Fall war und dies ist diese Saison bisher noch keinem Gegner so lange gelungen.

„Das war hier einfach ein super Spiel der Mädels, die hier wirklich wahnsinnig gut gegen uns gearbeitet haben. Deshalb Glückwunsch zu einer starken Leistung, auch wenn sich das bei einer Niederlage jetzt blöde anhört. Aber für uns war es auch gut, dass wir jetzt solche Momente hatten. Wir hatten bisher nur Spiele, die nach zehn oder fünfzehn Minuten eigentlich schon entschieden waren. Heute waren es 50 Minuten, wo wir keine Sekunde nachlassen durften und so können wir uns auch weiterentwickeln. Es ist gut, dass wir die Aufgabe gepackt haben heute“, war Markus Gaugisch zufrieden über den Einzug ins Viertelfinale.

„Wir waren bis zur 50. Minute auf zwei Tore dran und darauf sind wir wahnsinnig stolz, denn das war bisher noch bei keinem anderen Team so. Gegen jedes andere Team hatte Bietigheim das Spiel nach 10 Minuten entschieden. Heute mussten sie bis zur 52. Minute kämpfen und das nehmen wir für uns mit. Wenn wir das so kompensieren und so abrufen können, dann bin ich nicht bange. Ich würde mir manchmal wünschen, dass das Umfeld auch diese Dinge honoriert, weil bei vielen das Anspruchsdenken hier zu hoch ist. Wir sind ein kleiner Verein und es gibt immer Höhen und Tiefen. Aber heute können wir auf jeden Fall stolz sein“, so Heike Ahlgrimm.

Dieses Spiel dürfte auf jeden Fall Selbstvertrauen für das letzte Ligaspiel vor der WM-Pause am Sonntag, 21.11.2021 um 18:00 Uhr in Leverkusen  geben.

HSG Bensheim/Auerbach:
Vanessa Fehr, Helen van Beurden; Isabell Hurst, Myrthe Schoenaker (7 Tore), Elisa Stuttfeld (1), Jana Haas, Sarah Dekker (4), Lisa Friedberger (5/4), Christin Kühlborn, Saskia Fackel (2), Sarah van Gulik (2), Ines Ivancok (2),  Neele Mara Orth und Dionne Visser (3).