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Blick zurück: Alles schon einmal dagewesen

Die Mannschaft der TSV Auerbach in der Saison 1987/88 / Bild: (c) Archiv Schwinn / Flames Handball

Auch in der Saison 1987/88 kämpfte die damalige TSV Auerbach um den Klassenerhalt in der eingleisigen Frauenhandball-Bundesliga. Nachdem die Rot-Weißen die Plätze acht (Saison ‘86/87) und sechs (Saison ‘85/86) belegt hatten, konnten sie im dritten Jahr ihrer Erstklassigkeit ihrem Schicksal aber nicht entrinnen und belegten nach 18 Spielen mit 285:362 Toren und 8:28 Punkten (3 Siege – 2 Unentschieden – 15 Niederlagen) den 9. und damit vorletzten Platz vor Mitabsteiger DJK Würzburg (5:31).

„Wir waren damals einfach nicht konkurrenzfähig, war doch versäumt worden, nach dem Abgang von wichtigen Spielerinnen für adäquaten Ersatz zu sorgen“, blickte Claudia Richter geb. Sturm nach der 25:27-Heimniederlage der Flames gegen Frisch Auf Göppingen noch einmal zurück. So hätte sie nur wenige herausragende Spielerinnen wie Nationalmannschaftskolleginnen Petra Helfers, Sabine Schneider oder Kyra Fischer an ihrer Seite gehabt. „Dennoch waren die acht Jahre Bundesliga mit der TSV Auerbach eine schöne Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere“, meinte Claudia Richter, die sich nach 141 BL-Spielen und 491/157 Toren im rot-weißen Trikot 1988 dem VfL Neckargartach anschloss, für diesen aber erst nach einer Babypause ab 1989 auf Torejagd gehen konnte.

„Wir kämpfen ums Überleben. Solch einen Umbruch wie in diesem Jahr hat die TSV Auerbach nämlich noch nicht erlebt, wir haben auch noch nie einen solchen großen Kader besessen. Es wird schwer werden, darüber sind sich die Mannschaft und ich durchaus im Klaren“, hatte sich die neue Trainerin und ehemalige Spielerin der TSV Auerbach, die den Mannheimer Peter Harst abgelöst hatte, schon vor Saisonbeginn keinen großen Illusionen hingegeben.

Ihre realistische Einschätzung der Chancen und Perspektiven waren eigentlich fast schon eine böse Vorahnung, auf das, was da auf die TSV Auerbach zukommen sollte. Und diese sollte sich bewahrheiten!

„Keine unserer Neuzugänge verfügt über Bundesligaerfahrung, und auch die früheren Heppenheimerinnen Heike Heilmann und Bianca Winkel sind erst ein Jahr dabei. Wir gehen mit einer sehr unerfahrenen Mannschaft in die neue Saison, einer Mannschaft, die noch keine spielerischen Glanzpunkte setzen kann, sondern über kämpferischen Einsatz und Tempospiel den Erfolg suchen muss“, hatte Karin Euler frühzeitig eingestehen müssen. Mit Petra Friedl und Annette Klefenz (beide zum VfL Neckargartach) hatte die TSV Auerbach zwei ganz wichtige Spielerinnen verloren. Zudem hatten Sabina Wallwey (GW Frankfurt) und Petra Götz (Post SV Karlsruher) dem Bensheimer Frauenhandball-Bundesligisten den Rücken gekehrt. Mit Ilse Guthier und Inge Hose kamen dagegen zwei weitere Spielerinnen vom Regionalligisten VfL Heppenheim. Den Kader komplettierten Irmgard Mößlein, Martina Krysmansky, Kyra Fischer (alle VfR Mannheim), Sabine Pinnau (TSV Hastedt), Claudia Schambach und Kaja Hellmann (beide eigene zweite Mannschaft).

Auf den Boden der Tatsachen
Das Auftaktspiel der Saison 1987/88 gegen den „Erzrivalen“ TSV GutsMuths Berlin ging am 13. September 1987 mit 15:19 verloren. Eine Leistungssteigerung gab es dann beim 18:22 beim VfL Engelskirchen. „Es sieht finster aus für die TSV. Mit einem 9:26 hatte ich in meinen schlimmsten Albträumen nicht gerechnet“, stellte Karin Euler nach der bitteren Heimschlappe gegen Bayer Leverkusen am 27. September 1987 fast schon resignierend fest. Immerhin gab es mit dem verdienten 17:17-Unentschieden bei Grün-Weiß Frankfurt vor gerade einmal 330 Zuschauern den ersten Punktgewinn für die TSV Auerbach, die sich auch beim 17:20 beim VfL Oldenburg teuer verkaufte.

Auf den Boden der Tatsachen wurden die Euler-Schützlinge dann durch das 14:27 in der Halle der Geschwister-Scholl-Schule gegen den TV Lützellinden zurückgeholt. Mit dem 23:18 gegen die DJK Würzburg gelang am 18. November 1987 immerhin der erste von insgesamt drei Heimsiegen. Nach dem 13:18 bei der SG Jarplund-Weding-Adelby hatten die Rot-Weißen dank des 19:18 in eigener Halle gegen den VfL Sindelfingen am 10. Januar 1988 erneut Grund zum Jubeln und belegten mit 5:13 Punkten Platz acht der Vorrunden-Tabelle.

Doch beim 8:19 in Berlin und dem 11:20 zu Hause gegen den VfL Engelskirchen wurde den Bensheimerinnen ihre Defizite wieder deutlich vor Augen geführt. Nach dem 27:24 bei Bayer Leverkusen reichte es dann gegen GW Frankfurt immerhin zu einem 14:14-Heim-Unentschieden. Im Heimspiel gegen den jüngsten Flames-Gegner VfL Oldenburg wurde mit dem 16:17 ein Punktgewinn, der so wichtig gewesen wäre, nur knapp verpasst.

Es fehlten Glück und Cleverness
Nach dem 13:25 beim TV Lützellinden und dem 19:21 im „Endspiel“ bei der DJK Würzburg war das Schicksal der jungen und unerfahrenen Mannschaft der TSV Auerbach eigentlich bereits besiegelt, denn vor den beiden letzten Spielen konnte nur noch ein Wunder helfen, hatte doch das mitgefährdete GW Frankfurt bereits drei Punkte Vorsprung. Der 29:12-Heimsieg gegen die SG Jarplund-Weding am 25. April 1988 nutzte nichts mehr, da Frankfurt zur gleichen Zeit in Berlin mit dem 22:22 den nötigen Punkt zum Klassenerhalt holte. Das letzte Bundesligaspiel für immerhin 25 Jahre beim VfL Sindelfingen am 30. April 1988 wurde deutlich mit 18:26 verloren. Trotz so mancher klaren Abfuhr und einer eklatanten Auswärtsschwäche (nur ein Unentschieden) wäre das rettende Ufer für die TSV Auerbach zu erreichen gewesen, wenn diese etwas mehr Cleverness und Glück gehabt hätten.

Torschützinnen der TSV Auerbach in der Saison 1987/88: Bianca Winkel (54/31), Jutta Flügel (43/8), Petra Helfers (37/5), Claudia Sturm (37/12), Anette Herzenstiel (36), Kyra Fischer (27), Heike Heilmann (22), Sabine Schneider (12), Ilse Guthier (11), Irmgard Mößlein (5), Inge Hose (1). Außerdem kamen Sabine Pinnau sowie die Torhüterinnen Petra Pfattheicher, Heike Plohmer und Martina Krysmansky zum Einsatz.

Platz 18 in der ewigen Liga–Tabelle
Immerhin belegte die TSV Auerbach 1988 mit 891:1016 Toren und 36:72 Punkten Platz sechs in der „ewigen Bundesliga-Tabelle“. Nach der Partie gegen Göppingen ist hier die HSG Bensheim/Auerbach mit 4312:4471 Toren und 251:295 Punkten immerhin Position 18 zu finden und lässt mit Frisch Auf Göppingen, TuS Metzingen, SG BBM Bietigheim, HSG Bad Wildungen, Neckarsulmer Sport-Union, TV Nellingen und HC Rödertal gleich sieben aktuelle Konkurrenten hinter sich. Mit 22702:19372 Toren und 1252:576 Punkten ist „Dauerbrenner“ TSV Bayer Leverkusen (durchgängig seit 1975 erstklassig) die absolute Nummer eins. Bayer Leverkusen und der VfL Oldenburg heißen heute wie auch schon vor 30 Jahren der Gegner der Bensheimer Bundesliga-Handballerinnen.

Redaktion Flames / Ronald Schwinn für die Flames