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Nur glückliche Gesichter nach dem Spiel

Larissa Platen im Zweikampf mit Lydia Jakubisova / Bildrechte: ©Andrea Müller - HSG Bensheim/Auerbach Flames

Nach dem Schlusspfiff gab es in der Weststatthalle in Bensheim nur strahlende Gesichter. Bei den Gästen des Thüringer HC, weil sie als einziges der TOP3-teams beide Punkte mitnehmen konnten und einen weiteren großen Schritt in Richtung der 7. Deutschen Meisterschaft gegangen sind, aber auch bei den Flames, weil sie mit dem stark dezimierten Kader eine tolle kämpferische Leistung geboten haben und am Ende nur mit 6 Toren verloren haben. Dabei lagen die Flames 5 Minuten vor dem Ende bereits mit 12 Toren zurück. Und dann wurde noch die seit 7 Jahren bestehende Freundschaft der beiden Fanclubs besiegelt und ein gemeinsamer Fanschal übergeben. Die erfolgreichsten Torschützinnen waren Iveta Luzumova (11/7 Tore) und Gordana Mitrovic (7) sowie Bogna Sobiech (7) bei den Flames. 

Der siebte Meistertitel ist für die Bundesliga-Handballerinnen des Thüringer HC zum Greifen nah. Bei noch 5 ausstehenden Saisonspielen hat der THC sieben Punkte Vorsprung auf den Zweiten, den amtierenden Deutschen Meister SG BBM Bietigheim. Die Flames bleiben weiterhin auf dem 12. Platz mit 2 Punkten Vorsprung auf die Neckarsulmer Sportunion, die bei dem bis dahin punktlosen HC Rödertal einen Punkt holte.

THC-Trainer Herbert Müller hatte seine Mannschaft eindringlich vor den Flames gewarnt und sein Team entsprechend auf das Spiel vorbereitet, damit es seiner Mannschaft nicht genauso ergeht, wie Bietigheim und Metzingen, die in Bensheim Punkte lassen mussten. Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm hatte, wie die letzten Spiele, nur wenige Spielerinnen zur Verfügung. „Wir waren heute arg dezimiert, weil wir zwei Spielerinnen an unsere zweite Mannschaft abgegeben haben,“ erklärte Heike Ahlgrimm, warum Lisa Friedberger und Martha Logdanidou ebenfalls nicht dabei waren. Die 2. Mannschaft hatte zeitgleich ein ganz wichtiges Spiel zum Aufstieg in die Oberliga und da war es selbstverständlich, dass man hier unterstützt, um das Ziel zu ermöglichen, was für die tolle Stimmung im Verein spricht.

Die ersten Minuten des Spiels waren ziemlich ausgeglichen und es fielen viele Tore. Nach noch nicht einmal 4 Minuten stand es 3:4. Der THC baute die Führung durch 2 Tore von  Iveta Luzumova bis zum 6:3 etwas aus, Carolin Schmele per Siebenmeter und Bogna Sobiech verkürzten wieder auf 5:6 (8.). Nach zehn Minuten setzte sich der THC kontinuierlich von den Flames ab und ging mit einer  Sechs-Tore-Führung (13:19) in die Halbzeitpause. Ein Ergebnis, mit dem die Flames zufrieden sein konnten.

Diese 6-Tore-Führung hatte auch noch nach gut 9 Minuten beim 17:23 in der 2. Halbzeit bestand. Dann gelang es jedoch dem THC sich nach und nach weiter abzusetzen. Das 18:28 durch Beate Scheffknecht bedeutete erstmals einen 10-Tore-Rückstand. Fünf Minuten vor dem Ende waren es dann doch schon 12 Tore beim 20:32. Doch wer die Flames kennt, weiß, dass ein Spiel 60 Minuten hat. Mit Einsatz und Kampfgeist, unterstützt von den Fans, erzielten die Flames noch 6 Tore in Folge und konnten so am Ende ein mehr als respektables 26:32 gegen den souveränen Spitzenreiter erreichen und sich über dieses Ergebnis freuen.

„Wer heute das Spiel gesehen hat, weiß dass wir eine Moral haben. Wir haben uns auch nie unterkriegen lassen. Wir haben viele Punkte liegen lassen am Anfang der Saison, weil wir uns erst daran gewöhnen mussten. Wir haben viele, viele Spiele eng gestaltet. Wir haben immer gesagt, dass wir um jedes Tor kämpfen, dass wir, auch wenn wir verlieren, mit Leidenschaft an die Sache ran gehen. Wie gesagt, was jede einzelne Spielerin in meiner Mannschaft in den letzten Wochen gezeigt hat, das ist wirklich für mich sensationell. Das kann man nur machen, wenn es im Team stimmt, wenn die Moral da ist. Wir haben uns das Ziel gesetzt und da bleiben wir dabei, es sportlich schaffen wollen und wir werden weiter hart kämpfen. Das haben wir heute gemacht und das werden wir auch in den nächsten Wochen weiter praktizieren“, freute sich Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm über die Moral in ihrem Team nach dem Spiel.

Und die Fans hatten auf beiden Seiten auch allen Grund zur Freude. Der Fanclub der Flames und der THC-Fanclub „Rote Wand“ sind seit dem FINAL4 im DHB-Pokal 2011 in Göppingen eng miteinander befreundet und besiegelten nach dem Spiel ihre Freundschaft mit einem gemeinsamen Fanschal sowie vom THC-Fanclub mitgebrachten „Zielwasser“ als Gastgeschenk. Da kann ja dem sportlichen Klassenerhalt der Flames eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Statements der Trainer nach dem Spiel:

Heike Ahlgrimm (HSG Bensheim/Auerbach Flames): Natürlich bin ich absolut zufrieden und muss heute ein großes Kompliment an meine Mannschaft machen. Ich habe heute vor dem Spiel so ein bisschen schlimmes erahnt, da wir ja relativ dezimiert waren, weil wir noch 2 Spielerinnen an die 2. Mannschaft abgegeben haben. Aber ich muss sagen, dass wir im Nachhinein alles richtig gemacht haben. Man sieht, dass wir als Verein zusammen stehen, dass wir alle ein gemeinsames Ziel haben. Wir haben gegen den baldigen Deutschen Meister, nur mit 6 Toren verloren, darauf kann man stolz sein. Wir haben bis zum Ende gekämpft, auch haben wir nie aufgegeben. Da kann ich meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen. Wir lagen schon mit 12 Toren hinten, am Ende sind es 6 und da sieht man, dass wir wirklich super Charakter haben und dass wir eine Einheit geworden sind. Wie gesagt, heute bin ich einfach nur stolz.

Herbert Müller (Thüringer HC):
Mich hat das Spiel heute in keinster Weise überrascht. Wir haben uns sehr ernsthaft auf diese Partie hier vorbereitet, weil wir wussten, dass es hier sehr schwer wird. Wenn Bietigheim hier einen Punkt lässt, Metzingen 2 Punkte hier lässt, dann tut man sich leicht den Mädels auch optisch vorzuführen, zu was die Mannschaft von Heike in der Lage ist. Ich denke, dass im Endeffekt, beide Lager nach diesen 60 Minuten mehr als zufrieden sein können. Ich bin froh, dass wir es doch recht frühzeitig geschafft haben, für verhältnismäßig klare Verhältnisse zu sorgen und dann fand ich es einfach faszinierend, und das überrascht mich einfach nicht, dass Bensheim keine Sekunde aufgibt, auch beim 32:20 einfach Gas gibt und kämpft und macht. Da habe ich nichts anderes erwartet von der Mannschaft von Heike. Ich möchte da einfach nochmal eine Geschichte sagen. Wenn man sieht, wie die Aufsteiger in die Bundesliga in den letzten Jahren doch teilweise  recht abgeschossen worden sind und dann wieder abgestiegen sind, so ist das schon ganz hervorragend, was Heike hier veranstaltet. Das sollte allen nochmal sehr, sehr klar sein. Wie gesagt, ich denke, beide Seiten können sehr, sehr glücklich sein. Ich freue mich, dass Nina Schilk ihr erstes Spiel gemacht hat und auch ein Tor erzielt hat, Bensheim hat bis zum Schluss gekämpft und dadurch das Ergebnis so gestaltet, dass heute, glaube ich, alle glücklich aus der Halle gehen können.

Statistik:

HSG Bensheim/Auerbach Flames: Jessica Kockler, Pauline Radke; Anja Ernsberger 1, Carolin Schmele 3/3, Rafika Ettaqi 3, Larissa Platen 4, Merel Freriks 3, Sarah van Gulik 3, Julia Maidhof 2, Bogna Sobiech 7.

Thüringer HC: Jana Krause, Dinah Eckerle; Beate Scheffknecht 4, Saskia Lang 1, Alexandra Mazzucco, Meike Schmelzer 1, Anika Niederwieser 1, Iveta Luzumova 11/6, Gordana Mitrovic 7, Nina Schilk 1, Lydia Jakubisova 2, Josefine Huber 3, Patricia Batista da Silva 1.

Siebenmeter: 5/3 (Schmele und van Gulik scheitern) – 8/6 (Luzumova und Niederwieser scheitern).

Zeitstrafen: 5 – 3.

Zuschauer: 950.

Schiedsrichter: Maike Merz/Tanja Schilha