Blomberg setzt Erfolgsserie fort – Starke 2. Halbzeit reicht den Flames nicht zum Punktgewinn

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Blomberg setzt Erfolgsserie fort – Starke 2. Halbzeit reicht den Flames nicht zum Punktgewinn

Sanne Hoekstra erzielte 7/5 Tore gegen die HSG Blomberg-Lippe / Bildrechte: ©Andrea Müller - HSG Bensheim/Auerbach Flames

Die HSG Blomberg-Lippe kam mit einer Serie von 7 Spielen ohne Niederlage und 12:10 Punkten in Folge nach Bensheim und konnte diese Serie durch den 27:30 Auswärtserfolg bei den Flames der HSG Bensheim/Auerbach weiter ausbauen und die Hinrunde mit nunmehr 16:10 Punkten auf dem 5. Tabellenplatz abschließen und von einer Teilnahme am Europapokal in der kommenden Saison träumen, was vor der Saison keiner für möglich gehalten hätte.

Die Flames der HSG Bensheim/Auerbach beenden die Hinrunde durch die 27:30 (8:16) Niederlage mit 6:20 Punkten auf einem Abstiegsplatz, jedoch ganz dicht am rettenden Ufer. Dort hätte man sich durchaus nach dem Spiel bereits finden können, wenn man in der 1. Halbzeit das umgesetzt hätte, was man sich nach dem Auswärtssieg in Rödertal gegen Blomberg vorgenommen hatte. Die Moral und der Kampfgeist in der 2. Halbzeit haben auch gezeigt, dass viel mehr drin war und man durchaus weitere Punkte für den Klassenerhalt sammeln hätte können.

Blomberg ging schnell in Führung, den Flames gelang in der 5. Minute der erste Treffer durch Sanne Hoekstra per Siebenmeter zum 1:3.  Nationalspielerin Alicia Stolle und Silje Brøns Pertersen erhöhten auf 1:5, Rafika Ettaqi verkürzte auf 2:5 (9.).  Bis zur 17. Minute hatte sich Blomberg auf 5 Tore beim 5:10 abgesetzt, ehe die erneut stark spielende Bogna Sobiech auf 6:10 und 8:12 (24.) verkürzte. Dann erhielten Alicia Stolle und Silje Brøns Pertersen fast zeitgleich eine Zeitstrafe, so dass die Flames fast 2 Minuten zwei Feldspieler mehr auf dem Platz stehen hatten. Doch es war fast schon erschreckend, was die Flames mit der doppelten Überzahl anstellten – nämlich nichts! Sie erzielten kein Tor und mussten sogar noch einen weiteren Gegentreffer von Tessa Zijl zum 8:13 (26.) hinnehmen. Und es kam noch schlimmer, denn bis zur Halbzeit gelang überhaupt kein Tor mehr, während Blomberg durch einen Doppelschlag von Linksaußen Franziska Müller, die 5 ihrer insgesamt 7 Tore in der 1. Halbzeit erzielte, sowie Celine Michielsen auf 8:16 zur Pause erhöhte.

Die desolate 1. Halbzeit aus Flames-Sicht war dann auch die Grundlage für die spätere Niederlage, denn der 8-Tore-Halbzeitrückstand war eine zu hohe Hypothek für die 2. Halbzeit. Verständlich, dass Gästetrainer André Fuhr begeistert von der 1. Halbzeit seiner Mannschaft war: „Wir haben, finde ich, eine richtig gute erste Halbzeit abgeliefert. Wir haben das Spiel bestimmt, den Gegner richtig gut im Griff gehabt. Das war so ähnlich, wie ich mir das vorstelle“.

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm dagegen war sichtlich bedient von der Leistung ihrer Mannschaft im ersten Abschnitt und entschuldigte sich dafür beim Publikum: „Ich muss mich erstmal für unsere 1. Halbzeit entschuldigen. Das, was wir hier in der 1. Halbzeit gezeigt haben, das geht gar nicht. Das habe ich meinen Mädels auch ganz deutlich in der Kabine gesagt. Wir haben alles, was wir uns vorgenommen haben, nicht umsetzen können. Wir haben im Angriff keinen Zug zum Tor gehabt und wollten nicht dahin gehen, wo es weh tut. In der 1. Halbzeit mach wir nur 8 Tore, das ist für mich indiskutabel  und bekommen auch 16, weil unsere 3-2-1 Abwehr nicht funktioniert hat. Deswegen möchte ich mich, auch im Namen der Mannschaft, dafür entschuldigen“.

Moral und Kampfgeist in der 2. Halbzeit

Die folgerichtige heftige Ansprache zur Halbzeit in der Kabine durch Heike Ahlgrimm zeigte ihre Wirkung und die Mannschaft kam wie verwandelt aufs Spielfeld.  Jetzt besann man sich auf seine Tugenden, jetzt wurde auch wieder gekämpft, so wie man es von Anfang an erwartet hatte. Es stand eine Mannschaft in der Abwehr und Pauline Radke bot im Tor eine starke Leistung und hielt, was nur zu halten war.  Beim 17:21 (42.) durch Bogna Sobiech waren die Flames erstmals wieder bis auf 4 Tore ran. Nach dem 21:24 (56.) durch Merel Freriks waren es sogar nur noch 3, doch näher kamen die Flames nicht mehr heran. Am Ende war es eine 27:30 Niederlage, die nicht sein hätte müssen.

Das Positive, was Heike Ahlgrimm und ihr Team aus dem Spiel ziehen können, ist die zweite Halbzeit. Die hat gezeigt, dass die Mannschaft, wenn sie sich auf ihre Tugenden besinnt und als Team auftritt auch wesentlich höher platzierte Mannschaften schlagen kann. Mit Kampf und Einsatzwillen und einer tollen Moral ist vieles möglich und das haben sie die letzten Wochen schon öfters gezeigt.

So war auch Heike Ahlgrimm mit der 2. Halbzeit ihres Teams durchaus zufrieden: “Trotz allem haben wir eine gute zweite Halbzeit gespielt,  sind wieder zurück gekommen. Wir haben die Abwehr umgestellt, haben mehr Zugriff bekommen und gewinnen die 2. Halbzeit 19:14. Wir machen 19 Tore, weil wir dahin gehen, wo es weh tut, weil wir auf einmal wieder Torgefahr ausstrahlen und wussten, dass die Schiedsrichter auch pfeifen, wenn ich dahin gehe, wo es weh tut. In der Abwehr haben wir auf einmal  auch angefangen zu decken und als vor allem alsTeam zu decken. Da muss ich meiner Mannschaft dann auch sagen, dass ich damit zufrieden bin. Nichtsdestotrotz bin ich enttäuscht,  weil wir heute die Punkte leichtfertig in der 1. Halbzeit weggeschmissen haben“.

Umso glücklicher war Gästetrainer André Fuhr, der allerdings mit der Leistung seiner Mannschaft in der 2. Halbzeit nicht zufrieden war:“ Wir haben in der 2. Halbzeit aufgehört das zu machen, was wir in der 1. Halbzeit gemacht haben und es zu verwalten. Wir haben aufgehört zu verteidigen, obwohl  wir wussten, dass Bensheim niemals aufgibt. Ich erinnere nochmal an diese 4 Tore Rückstand vier Minuten vor Schluss gegen Metzingen. Ich habe das in der Halbzeit auch nochmal erwähnt, aber da hat anscheinend keiner zugehört. Wir haben in der 2. Halbzeit viele Chancen aus allerbesten Positionen nicht reingeworfen und haben uns dann hier zum Sieg gezittert. Ich finde, wir haben kämpferisch dagegen gehalten und ich bin sehr, sehr froh, dass wir die 2 Punkte mitgenommen haben. Wir haben nach der Hinrunde 16:10 Punkte. Wir haben sensationelle Hinrunde gespielt und wenn ich eine Nacht darüber geschlafen habe, dann weiß ich wo wir stehen und es ist alles gut“.

Für die Flames gilt es nächste Woche an die 2. Halbzeit anzuknüpfen. Dann geht es zum schweren Auswärtsspiel und Hessenderby zur HSG Bad Wildungen Vipers, die nach einem sensationellen Saisonstart mittlerweile mit 9:17 Punkten ebenfalls wieder im Kampf um den Klassenerhalt stecken. Das Spiel findet am Samstag, 17.02.2018 um 19.00 Uhr in der Ense-Sporthalle Bad Wildungen statt.

Statistik:

HSG Bensheim/Auerbach Flames: Jessica Kockler, Pauline Radke – Anja Ernsberger (2), Carolin Schmele (2/1), Rafika Ettaqi (4), Caroline Thomas (1), Martha Logdanidou , Sanne Hoekstra (7/5),  Larissa Platen, Lisa Friedberger (1), Merel Freriks (2), Sarah van Gulik, Julia Maidhof, Bogna Sobiech (8).

HSG Blomberg-Lippe: Anna Monz, Melanie Veith – Kira Schnack (1), Laura Rüffieux (1), Gisa Klaunig, Franziska Müller (7), Tess van Buren (1), Tessa van Zijl (2), Kathrin Pichlmeier (5), Kamila Kordovska (2), Angela Steenbakkers, Larissa Petersen, Celine Michielsen (1), Alicia Stolle (5), Patricia Emidio Rodriques, Silje Brøns Pertersen (5/3).

Siebenmeter: 7/6 – 3/3      Zeitstrafen: 6/10

Zuschauer: 950

Schiedsrichter: Siegfried Grabowski, Simon Reich